Design Thinking – Erfahrungen und Erkenntnisse

Design Thinking

Ist der Hype um das Design-Thinking-Konzept gerechtfertigt und wie gut lässt sich das Konzept in der Anforderungsanalyse von IT-Projekten anwenden? Welche Erfahrungen und Erkenntniss, ich in den Design-Thinking-Workshops während meines Praxissemesters gemacht habe, werde ich in diesem Blogbeitrag erläutern.

Grundlagen

Design Thinking ist ein Konzept zur kreativen Problemlösung. Der Grundgedanke ist der, dass interdisziplinäre Teams in einem kreativen Umfeld, Ideen zum Lösen von Problemen entwickeln [1]. Dabei werden möglichst viele unterschiedliche Erfahrungen, Meinungen und Perspektiven hinsichtlich einer Problemstellung zusammengebracht. Ziel des Ansatzes ist es innovative Lösungen zu entwickeln.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die drei Faktoren Mensch, Technologie und Wirtschaft berücksichtigt werden [2]. Das wichtigste Grundprinzip des Design Thinking Ansatzes ist die “menschenzentrierte Gestaltung“. In allen Phasen der Produktentwicklung – von der Analyse des Nutzungskontexts bis zur Evaluation – werden die eigentlichen Nutzer und weitere Stakeholder mit einbezogen.

Der Design Thinking Prozess, wie er an der Stanford University gelehrt wird, enthält sechs Phasen: Understand, Observe, Point-of-view, Ideate, Prototype und Test [2].

Erfahrungen und Erkenntnisse

In meinem konkreten Praxisbeispiel wurden Shadowings als erste Methode eingesetzt. Die Shadowings haben uns einen sehr detaillierten Einblick in die Arbeitsabläufe und Arbeitsumgebungen der späteren Endnutzer verschafft. Sie waren im weiteren Projektverlauf sehr hilfreich und haben einen großen Teil zum Projekterfolg beigetragen. Das Projekt handelte davon eine Applikation zu entwickeln, welche die Vertriebsmitarbeiter im Tagesgeschäft unterstützen sollte. Als Erkenntnisse haben ich aus den Shadowings mitgenommen, dass es wichtig ist unterschiedliche Endnutzer in Ihrem Tagesgeschäft zu begleiten und ihren Ablauf sowie ihre Tätigkeiten geringst möglich zu beeinflussen. Des weiteren sollten die Endnutzer über das Ziel des Shadowings aufgeklärt sein, da sonst eine größere Gefahr besteht, nicht das alltägliche Verhalten des Endnutzers zu beobachten.

Im Anschluss der Shadowings wurden drei verschiedene Personas erstellt. Eine Persona sollte die technich affinen Nutzer repräsentieren, die zweite Persona stellte die weniger technisch affinen Nutzer dar und die dritte Persona wurde stellvertretend für die gar nicht technisch affinen Nutzer erstellt. Mit diesen drei Persona wurden die Goals, Tasks und Pain Points der zukünftigen Nutzer beschrieben. Ebenfalls wurde durch das Shadowing, das Arbeitsumfeld der späteren User kennengelernt.

Im folgenden wurden vier Design-Thinking Workshops vollzogen. Die Ergebnisse und Erkenntnisse, die aus den Shadowings konsolidiert wurden, wurden mit dem interdisziplinären Team der Workshops besprochen und angepasst. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt war erkennbar, wie wichtig die Anwesenheit von Personen aus unterschiedlichen Fachabteilungen ist. Die Entwickler der späteren Applikation kamen zu diesem frühen Zeitpunkt im Projekt noch nicht zum Einsatz, da zunächst ein Konzept gestaltet werden soll, dass möglichst frei von technischen Restriktionen ist. Das hat den Vorteil, Ideen nicht zu früh zu verwerfen, auch wenn sie im ersten Moment technisch nicht machbar erscheinen. Allerdings sollte der Übergang von Konzeption zu Entwicklung früh geplant und die Entwickler früh einbezogen werden, damit das nötige Verständnis für die dahinter liegende Business Logik nicht zu kurz kommt.

Ziel der Workshops war es, die Anforderungen der Applikation zu spezifizieren und festzuhalten. Zusammen mit dem Kunden wird der Scope der Anwendung erarbeitet und die Anforderungen werden priorisiert.

Voraussetzungen für erfolgreiche Design-Thinking Workshops sind nach meiner Erfahrung:

  • Kunde ist offen für neue Vorgehensweisen und Kreativitätstechniken
  • relativ großes Team auf Kundenseite (aus jedem Bereich der späteren Endanwender mind. eine Person)
  • jeder Teilnehmer kann seine Ideen und Meinungen offen äußern
  • Motivation der Teilnehmer
  • Teamarbeit

Die Workshops starteten mit der Methode „Draw your neighbor“. Diese Methode wird anstatt der üblichen Vorstellungsrunde, in der sich jeder selbst vorstellt, eingesetzt um die Stimmung zu lockern und die Teilnehmer auf einen lebhaften Workshop einzustimmen. Ich würde diese Methode weiterempfehlen, da sie als Eisbrecher dient und die lustigen Skizzen zu Beginn des Workshops eine positive Stimmung in das Team bringen.

Nachdem der IST-Prozess ausgearbeitet wurde und die Ergebnisse schriftlich festgehalten sind, ging es an die kreative Arbeit. Alle Teilnehmer bekommen Post-its auf denen sie ihre Wünsche und Bedürfnisse an die neue Applikation, notieren. In diesem ersten Brainstorming, soll ein möglichst breites Ideenspektrum herauskommen und es soll frei von technischen und wirtschaftlichen Restriktionen sein. Jede Idee kann ein Türöffner für wichtige Diskussionen um funktionale und nicht-funktionale Anforderungen sein. Je mehr kreative und innovative Ideen gesammelt werden umso größer ist die Chance eine Applikation zu bauen, die die Anforderungen der verschiedenen Stakeholder befriedigt. Das Brainstorming wird innerhalb von 10 – 15 Minuten vollzogen. Durch das Tempo, soll keine Zeit für ein Zögern oder ein Hinterfragen der eigenen Idee vorhanden sein. Ein weiterer Vorteil des Brainstormings auf Post-its, in einer offenen und kreativen Atmosphäre ist, dass auch ruhigere/introvertierte Kollegen motiviert werden ihre Ideen zu teilen.

Anschließend befestigt jeder Teilnehmer seine Post-its an einem Clipboard und erläutert kurz seine Gedanken und Überlegungen, zu seinen Notizen. Wenn alle Post- its an dem Clipboard befestigt sind, werden die Post-its zu Themengebieten geclustert. Durch das Clustern in Themengebiete verschafft man sich sowohl über die Themenbreite als auch über die Thementiefe einen guten Überblick. Viele neue Ideen entstehen während der Vorstellung und während des Clusterns der Post-its, da die Ideen des gesamten Teams als Inspiration dienen. Diese neuen Ideen können unverzüglich auf dem Clipboard ergänzt werden. In dem Workshop wird ebenfalls darauf geachtet, dass nicht die Idee der lautesten oder wichtigsten Person automatisch punktet. Um diesem Fall entgegen zu wirken findet ein einfaches „Dot Voting“ Anwendung. Jeder Workshop-Teilnehmer bekommt ausreichend Sticker in die Hand und alle Teilnehmer markieren kommentarlos und gleichzeitig ihre präferierten Ideen. Das „Dot Voting“ hat meiner Meinung zu sehr guten und unvoreingenommenen Ergebnissen geführt.

Die Themengebiete werden können anschließend nach ihrer Komplexität geplustert werden. Dadurch erhält man einen Überblick und man kann Ressourcen, der Themengröße entsprechend, verteilen. Themengebiete mit einer niedrigen Priorität kommen zunächst auf den sogenannten „Parkplatz“ und werden optional, wenn noch genügend Ressourcen vorhanden sind, behandelt. Durch eine vorgenommene Priorisierung der Themengebiete sind die Themenschwerpunkte der weiteren Workshops, zusammen mit dem Kunden festgelegt worden. Das Clustern und die Priorisierung waren sehr nützliche Methoden.

Ergebnisse der Design Thinking Workshops:

  • Teambildung
  • Empathie für den Kunden entwickeln
  • IST-Prozess detailliert und dokumentiert
  • alle Workshop-Teilnehmer auf dem selben Stand
  • Soll-Prozess im Groben beschrieben
  • Anforderungen aufgenommen, priorisiert und geclustert
  • Focus und Zielsetzung definiert

Am Ende jedes Workshop Tages stellten wir noch die Frage, was sich die Teilnehmer von den weiteren Workshops wünschen und was sie an dem heutigen Workshop gut gefunden haben. Die Teilnehmer machten ihre Notizen auf Post-its und befestigen diese entweder in der Spalte „I wish ☹“ oder „I like 😊“ auf einem Flipchart. Dadurch konnten Verbesserungsvorschläge direkt in die weiteren Workshops eingearbeitet werden.

Quellen

[1] https://www.gruenderszene.de/lexikon/begriffe/design-thinking

[2] https://kreativitätstechniken.info/kreativitaetsframeworks/design-thinking/

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