Wikifolio – Ein Geschäftsmodell unter der Lupe

Wikifolio ist ein erfolgreiches Start-up, bei dem alle Zeichen auf Wachstum stehen. Auf der Plattform wikifolio.de kommen Trader und Anleger zusammen und können in Zertifikate investieren, die an der Börse Stuttgart gehandelt werden.

Alle Vorteile der Digitalisierung wurden von wikifolio genutzt, um ein Finanzprodukt und dessen Handel in Zeiten von Sozialen Netzwerken, zu optimieren. Was genau macht wikifolio so erfolgreich? Und wie sieht das Geschäftsmodell von wikifolio aus? Diese Fragen haben wir mithilfe des Business Model Canvas und des Value Proposition Canvas näher untersucht. Unser Business Model Canvas findest du hier:

Business Model Canvas von wikifolio

Das Business Model Canvas für wikifolio (Vergrößerte Darstellung bei Klick auf das Bild)

Über das Unternehmen

Die Aktiengesellschaft wikifolio Financials Technologies AG wurde 2008 damals noch als GmbH gegründet. Um an weiters Kapital für Investitionen zu gelangen wurde die Social-Trading-Plattform in eine Aktiengesellschaft umgewandelt [1]. Mit Hauptsitz in Wien hat das Unternehmen 2017 eine Umsatzsteigerung von über 100 % verzeichnen können [1]. Wikifolio stellt eine Social-Trading-Plattform bereit, auf der zum einen mit fiktive Musterportfolios gehandelt werden kann, sowie reale Portfolios in Form von Zertifikaten gehandelt werden können. 2012 ist die Plattform Online gegangen und auch der Handel der wikifolio-Zertifikate ist seit 2012 möglich [1].

Business Model Canvas

Das Business Model Canvas in eine betriebswirtschaftliche Vorlage, mit der sich neue Geschäftsmodelle entwickeln oder bestehende Geschäftsmodelle analysieren und weiterentwickeln lassen. Das Geschäftsmodell wird hierbei in neun Segmente eingeteilt. Anhand der neun Segmente möchte ich das Geschäftsmodell von wikifolio erläutern.

Customer Segments

Welche Zielgruppen spricht wikifolio an? Für wen schöpft das Unternehmen einen Wert?

Das Customers Segments (Zielgruppe) von Wikifolio ist der Finanzsektor. Wikifolio möchte für private Anleger eine Alternative zu konventionellen Anlageformen der Banken sein. Hierzu sollen Trader fiktive Musterdepots erzeugen und managen, welche wiederum die Grundlage für börsennotierte Zertifikate sind. Durch wachsende Bekanntheit von Wikifolio sind inzwischen auch Vermögensverwalter an dem Konzept interessiert.

Customer Relationships

Wie werden neue Kunden gewonnen? Wie werden bestehende Kunden an das Unternehmen gebunden?

Die Customer Relationships (Kundenbeziehung) findet in erster Linie über die Wikifolio-Plattform statt. Durch den Online-Auftritt mit vielen Informationen und Schritt-für-Schritt Anleitungen können neue Kunden gewonnen werden.

Es ist eine kostenfreie Anmeldung möglich und die Website bietet dem Nutzer Tutorials und FAQs. Des Weiteren ist für Kunden eine Kontaktaufnahme über die Chat-Funktion, über eine kostenlose Hotline sowie per E-Mail möglich.

Channels

Über welche Kanäle werden die Kunden erreicht?

Als Channels (Vertriebs- und Kommunikations-Kanäle) setzt Wikifolio ganz auf moderne Kommunikationskanäle. Wichtigster Kanal ist die eigene Social-Trading-Plattform (Online Auftritt). Sie dient als Hauptvertriebs- und Kommunikationsweg. In der Plattform ist auch ein Blog von Wikifolio zu finden.

Um neue Kunden auf sich aufmerksam zu machen erscheinen in regelmäßigen Abständen Artikel über Wikifolio bei ihren Medien- und Werbepartnern (z.B. dem Handelsblatt). In den sozialen Medien wie Facebook und Youtube ist Wikifolio ebenfalls vertreten. Bei bestimmten Suchbegriffen auf google schaltet Wikifolio Werbung mittels google Adwords.

Value Proposition

Welche Kundenbedürfnisse werden erfüllt? Welche Produkte/Dienstleistungen werden angeboten?

Die Value Propositions (Nutzer-Versprechen) von Wikifolio kann in zwei große Kategorien aufgeteilt werden – die Versprechen an Anleger und die Versprechen an Trader. Anleger sollen auf Wikifolio transparente Anlagemöglichkeiten vorfinden. Die Transparenz ist sehr hoch und der Anleger kann aktuelle Neuigkeiten von dem Trader erhalten. Transparenz bedeutet bei wikifolio, dass alle Transaktionen die in einem Musterdepots stattfinden, für den Anleger sichtbar sind. Der gesamte Inhalt an Anlagen mit allen Käufen und Verkäufen im Depot sind einsehbar.

Des Weiteren will Wikifolio Anlegern ermöglichen, mit geringem Zeitaufwand möglichst große Gewinnspannen für sein Geld zu erwirtschaften. Der Anleger bekommt über vorsortierte Übersichten Zugang zu den besten Handelsideen auf Wikifolio. Ein Mix aus vielen verschiedenen Finanzprodukten soll dafür sorgen, dass das Risiko gestreut werden kann und für möglichst jeden Anleger ein interessantes Zertifikat zur Verfügung steht.

Die Einstufung der Strategien in verschiedene Kategorien soll weniger erfahrenen Anlegern die Übersicht und das erkennen des Risikogrades erleichtern. Die Anleger können auf der Plattform die verschiedenen Handelsideen bewerten und so anderen Anlegern bei ihrer Entscheidungsfindung helfen.

Den Tradern wird die Möglichkeit geboten, ihre Anlagestrategie inform eines Zertifikats, ohne große Kosten und lange Wartezeiten, an der Börse zu listen. Dabei können sie aus mehr als 250.000 Aktien, ETPs und strukturierten Produkten von Lang & Schwarz, HSBC Trinkaus, Société Générale und UBS wählen, um ihr Musterdepot zu bestücken. Ein börsennotiertes Produkt (ETP) ist ein Anlageinstrument, das die Performance einer Auswahl oder eines „Korbs“ mit verwandten Assets, wie Indizes, Rohstoffe oder Devisen, abbildet. ETPs bilden einen spezifischen Sektor oder einen existierenden Index ab, die an der Börse gehandelt werden [3].

Da die Musterdepots virtuell und ohne echtes Geld arbeiten fallen keine Transaktionskosten an. Gleichzeitig werden von Wikifolio reale Marktdaten zur Verfügung gestellt. Sollte das Musterdepot genügend Unterstützer finden und daraus ein Zertifikat erzeugt werden erhält der Trader eine Erfolgsprämie bei positiver Kursentwicklung.

Key Activities

Welche Schlüsselaktivitäten werden für die Wertschöpfung benötigt?

Zu den Key Activities (Schlüsselaktivitäten) gehört vor allem die Entwicklung und Wartung der Online-Plattform. Neben der Online-Plattform gehört die Akquise neuer Finanzprodukte (z.B. Anleihen und Aktien) für die Musterportfolios, zu den Schlüsselaktivitäten. Weitere Aktivitäten sind die Suche nach weiteren Emittenten für die „wikifolio“-Zertifikate und das erschließen von neuen Handelsplätzen.

Die Bekanntheit muss durch Marketingmaßnahmen gesteigert werden. Dies geschieht vor allem durch Medien- und Werbe-Partner. Um für die Anleger attraktive Mus- terdepots zu haben, müssen viele Trader mit verschiedenen Strategien auf die Plattform kommen. Um dies zu erreichen müssen Anreize für Trader geschaffen werden.

Key Resources

Welche Schlüsselressourcen werden für die Wertschöpfung benötigt?

Die wichtigsten Key Resources (Schlüsselressourcen) sind die Finanzprodukte für die Musterportfolios, mindestens eine Emittentin für die “wikifolio”-Zertifikate, mindestens einen Handelsplatz für die realen Zertifikate und viele aktive Trader mit innovativen Ideen.

Key Partners

Wer sind die Schlüsselpartner?

Wikifolio hat einige wichtige Key Partners (Schlüsselpartner) wie z.B. Lang & Schwarz Bank als Emittenten der „wikifolio“-Zertifikate. Als weiteren Key Partner ist die Börse Stuttgart als Handelsplatz für die „wikifolio-Zertifikate und das Handelsblatt als erster großer Finanzinvestor zu nennen.

Alle weiteren Schlüsselpartner können in vier verschiedene Kategorien unterteilt werden: Produktanbieter, Medien- und Werbe-Partner, Trader und Broker-Partner.

Revenue Streams

Welche Einnahmequellen hat das Unternehmen?

Die Revenue Streams (Einnahmequellen) von wikifolio setzen sich zu großen Teilen aus der Zertifikatsgebühr und der Performancegebühr zusammen. Die Zertifikatsgebühr beträgt 0,95 % p.a. und die Performancegebühr liegt zwischen 0 und 30 Prozent. Die Performancegebühr wird nach dem High-Watermark-Prinzip berechnet und muss mit dem Trader geteilt werden.

Cost Structure

Was sind die wichtigsten Ausgaben?

Die Cost Structure (Kostenfaktoren) sollten zum größten Teil aus der Entwicklung und dem Hosting der Plattform, sowie dem Veröffentlichen und Bereitstellen der „wikifolio“-Zertifikate und der Marketingmaßnahmen bestehen. Inwieweit weitere Kooperationen Kosten verursachen ist nicht genauer feststellbar.

Einordnung des Geschäftsmodells

In dem Geschäftsmodell von wikifolio konnten wir verschiedene Muster erkennen, welche in dem Geschäftsmodell realisiert wurden.

Aikido – Stärken der Wettbewerber in Schwächen umwandeln

Bei dem Aikido Muster geht es darum, die Stärken eines Wettbewerber in Schwächen umzuwandeln. Wikifolio stellt seinen Nutzern zwar keine Face-to-Face Beratung zur Verfügung, dieser Vorteil von klassischen Banken wurde aber durch transparentere und rund um die Uhr verfügbare Informationen, Ranglisten, Filterfunktionen und dem wegfallen von Anfahrtswegen bei wikifolio, in eine Schwäche umgewandelt.

Digitalization und E-Commerce

Die virtuelle Plattform digitalisiert einen physischen Marktplatz. Deshalb Ordnen wir dem Geschäftsmodell das Muster Digitalization zu. Alle geschäftlichen Transaktionen, der Informationsaustausch und der Service & Support finden bei wikifolio ausschließlich über Telekommunikationsnetze statt. Aus diesem Grund ordnen wir wikifolio ebenfalls das Muster E-Commerce zu.

Freemium – Grundfunktionen kostenlos / Erweiterung der Funktionen kostenpflichtig

Auch das Muster Freemium wird bei wikifolio strategisch eingesetzt. Das Anmelden und Informieren ist völlig kostenlos. Auch das verfolgen von Tradern und die realen Marktdaten der Börse sind kostenfrei nutzbar. Dadurch wird natürlich auch das Kundeninteresse geweckt. Wenn ein Kunde sich finanziell beteiligen will, fallen Kosten an.

Longtail – Nischenprodukte machen einen Großteil des Gesamtumsatzes aus

Bei der Social-Trading-Plattform von wikifolio können nicht nur professionelle Trader ein Musterportfolio erstellen. Auch Vermögensberater oder Privatleute können ihre Handelsideen veröffentlichen und mit genügend Unterstützern sogar an der Börse listen lassen. Dadurch gibt es auch sehr viele Nischenprodukte auf der Plattform, welche bei klassischen Banken nicht angeboten werden. Die sehr große und breit gestreute Angebotspalette an Finanzprodukten und Handelsideen ist dem Muster Longtail zuzuordnen.

Two-Sided Market – Der Netzwerkeffekt

„Je mehr Nutzer der einen Gruppe sich auf der Plattform versammeln, desto attraktiver wird diese für andere Gruppen und umgekehrt“ [1, p. 334]. Dieses Modell spiegelt sich bei Wikifolio wieder, insofern die Plattform wikifolio, die Anleger und die Trader einbindet: je mehr Anleger es gibt, desto mehr Geld wird in den Handelsstrategien der Trader investiert. Umgekehrt gibt es durch mehr Trader die ihre Wikifolios veröffentlichen, mehr Wahlmöglichkeiten für die Anleger um zu investieren.

Performance-based Contracting – Bezahlung richtet sich nach der Performance

Der größte Anteil der für den Anleger zu bezahlenden Gebühren ist die Performancegebühr, welche durchschnittlich ca. 10 bis 15% vom Gewinn beträgt. Diese Gebühr ist nur dann fällig, wenn ein Wikfolio seinen bisherigen Höchststand übersteigt. In dieser Hinsicht setzt Wikifolio auf das Modell Performance-based Contracting.

Revenue Sharing – Vermittlungsprovision

Die Performancegebühr wird zwischen Wikifolio und dem jeweiligen Trader aufgeteilt. Diese kann je nach Anlagevolumen in dem betreffenden „wikifolio“-Zertifikat bis zu 50 % betragen. Da die Handelsstrategien von dem Trader unmittelbar für die Umsatzsteigerung entscheidend sind, und der Trader die von wikifolio angebotenen technischen Möglichkeiten und Informationen nutzen und dadurch seinen Bekanntheitsgrad steigern kann, wird hier eine Win-Win-Situation ermöglicht. Dieses Muster betitelt man als Revenue Sharing.

Wikifolio – Die Idee einer Social-Trading-Plattform

In unserem kurzem Video zeigt sich eine Szene, in der Lisa sich als eine Lehrerin in der Freizeit für Börse interessiert und kein Kapital hat, um ihre Handelsideen zu verwirklichen. Der Angestellte Felix hat Kapital und möchte dieses vernünftig investieren. Jedoch hat er kein Fachwissen über die Börse. Wikifolio kann diese Pains von Lisa und Felix lösen, indem es ihnen eine freie und transparente Social-Trading-Plattform anbietet.

Fazit

Wikifolio hat ein Geschäftsmodell entwickelt, welches den Handel mit Wertpapieren vereinfacht und beschleunigt. Diese Vereinfachung und Beschleunigung wird durch die Digitalisierung erreicht. Weitere Vorteile die mit der Digitalisierung einhergehen sind die Möglichkeiten zu jeder Zeit und von jedem Ort, Informationen einzuholen und Änderungen von Kapitalanlagen auf der Plattform vorzunehmen. Die sehr große Transparenz auf wikifolio ist ein großer Vorteil gegenüber der klassischen Bankgeschäfte.

Wikifolio bietet insbesondere auch Privatpersonen die Möglichkeit durch ihr eigenes wikifolio-Musterdepot die Basis für ein echtes Finanzprodukt zu erstellen und somit Erfolgsprämien zu verdienen. Damit das wikifolio-Musterdepot in ein echtes Finanzprodukt das an der Börse Stuttgart gehandelt wird emittiert wird, muss die Anlagestrategie in 3 Wochen 10 Unterstützer finden. Es muss mind. 2.500 € vorgemerktes Kapital in dem Musterportfolio liegen und es muss mind. 21 Tage Laufzeit auf der Plattform haben. Sind diese drei Kriterien erfüllt, fehlt nur noch ein sogenanntes telefonisches Emissionsgespräch mit einem wikifolio Mitarbeiter, bevor das Musterportfolio den Status „Investierbar“ erhält und an der Börse Stuttgart gehandelt wird. Bei erfolgreicher Kursentwicklung erhält der Trader eine Erfolgsprämie, je nach höhe des investierten Kapitals, legt diese zwischen 30 und 50 %.

Nach dem Trend der Sozialen Netzwerke könnte der nächste große Trend der der Sozialen Trading Plattformen werden. Die klassischen Banken bestärken diesen Trend durch niedrige Zinsen, hohe Kosten bei Finanzanlagen und geringe Transparenz. Das Traden von Privatpersonen mit echten Finanzprodukten, die an der Börse gehandelt werden, war mit sehr hohen Kosten und Aufwändiger Suche nach Unterstützern verbunden. Wikifolio hat diesen Vorgang vereinfacht, indem es eine Plattform bietet, die sowohl für Anleger als auch für Trader Vorteile bietet.

Autor: Sufjan Ben Taarit

Quellen

[1] „Wikifolio,“ [Online]. Available: https://www.wikifolio.com/de/de/home [Zugriff am 11.05.2018].

[2] O. F. K. C. M. Gassmann, Geschäftsmodelle entwickeln, 55 innovative Konzepte mit dem St. Galler Business Model Navigator, 2. Aufl. Hrsg., München: Hanser, 2017

[3] „IG Group Limited“ [Online]. Available: https://www.ig.com/de/was-ist-ein-etp [Zugriff am 11.05.2018].

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s