Das war das Sommersemester 2017!

Nach dem Abschluss des Sommersemesters 2017 wird es Zeit für mich, ein Resümee zu ziehen. Es geht um das Wahlpflichtfach E-Business, das im 6. oder 7. Semester des Studiengangs Unternehmens- und Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Mannheim von Prof. Dr. Michael Gröschel angeboten wird.

  • Was haben wir an Inhalten bearbeitet?
  • Was ist gut und was weniger gut gelaufen?
  • Welche Veränderungen sollten an Inhalten und Lehrkonzepten vorgenommen werden?

Antworten auf diese Fragen liefert dieser Beitrag.

Die Veranstaltung E-Business

Das folgende Video – ein Beispiel für Snackcontent, der mit dem Tool Plotagon erstellt wurde – skizziert die wesentlichen Inhalte der Veranstaltung.

Wir haben uns im Sommersemester 2017 mit vielen Facetten des E-Business beschäftigt:

  • Geschäftsmodelle: Hier geht es um die Bestandteile von Geschäftsmodellen und die Methoden zur (Weiter-) Entwicklung. Wir orientieren uns dabei vor allem am bekannten Business Model Canvas und dem korrespondierenden Value Proposition Canvas und untersuchen zunächst die Geschäftsmodelle bestehender Unternehmen. Die Gestaltung neuer Geschäftsmodelle unter dem Einfluss von Technologietrends bildet außerdem auch die Klammer um alle weiteren Themen der Veranstaltung.
  • Cloud Computing und Mobile Business: Obwohl die Grundlagen zu diesen Themengebieten i.d.R. schon aus früheren Veranstaltungen bekannt sind, stelle ich immer wieder fest, dass die Begriffe des Cloud Computings nicht richtig „sitzen“. Mobile Business ist mittlerweile fast ein Klassiker, aber auch hier gibt es immer wieder neue Themen, Anwendungen und Frameworks, die es wert sind, genauer betrachtet zu werden.
  • Blockchain: Das Thema Blockchain ist in aller Munde. Alle meine Studierenen haben jetzt ein grundlegendes Wissen, wie eine Blockchain funktioniert und was die Chancen und Probleme sind. Während in der Öffentlichkeit die Blockchain-Thematik vor allem durch Kryptowährungen wie Bitcoin bekannt wurde, ist uns klar geworden, dass die Blockchain weit mehr Möglichkeiten bietet. Derzeit befinden wir uns aber offensichtlich noch in der Phase der Erkundung, wie Blockchains wirklich sinnvoll und ökonomisch eingesetzt werden können.
  • Chatbots: Ein Thema, das zugegebenermaßen erst recht kurzfristig auf meine Agenda gerutscht ist. Die Teilnehmer und ich haben es nicht bereut 😉
  • Zu all diesen Themen (und weiteren) sind im Laufe des Semesters über 40 Blogbeiträge von Studierenden im Studiengang Unternehmens- und Wirtschaftsinformatik der Hochschule Mannheim entstanden, die sich alle in diesem lehrveranstaltungsbegleitenden Blog befinden. Damit erschließen sich die Studierenden wichtige Elemente des Themengebiets Social Enterprise. Mir erscheint es wichtig, dass die Studierenden dabei lernen, sich selbst eigene Themen zu erschließen – eine enorm gefragte Schlüsselqualifikation – und diese Themen auch geeignet aufbereiten können-  als Text, als Snackcontent, als lesenswerter Blogbeitrag.

Einige Details zu den Themen und Erkenntnissen, die wir gewonnen haben:

Geschäftsmodelle

In diesem Semester haben wir die Geschäftsmodelle der Unternehmen Plotagon, Flixbus, Teekampagne und Celonis untersucht und in eigenen Blogbeiträgen dokumentiert. Wie auch die Statistiken meines Slideshare-Accounts zeigen, erfreuen sich die detaillierten Ausarbeitungen einer regen Beliebtheit. Die Ausarbeitung des Geschäftsmodells von Spotify aus dem Sommersemester 2015 hat bis zum August 2017 fast 6000 Views und 145 Downloads zu verzeichnen! Neu hinzugekommen sind in diesem Semester die explizite Ausarbeitung des Value Proposition Canvas und die Identifikation von Mustern nach dem St. Gallener Business Model Navigator.

Was einen Großkonzern wie SAP umtreibt und was dort gemacht wird, um trotz Größe flexibel und innovativ zu bleiben, hat uns Dr. Tobias Schimmer, SAP SE, bei seinem Gastvortrag zum Thema „Business Model Innovation“ mit einem spannenden Blick in die Praxis eröffnet.

Cloud Computing und Mobile Computing

Ich bin ein Anhänger der Methode oder des Prinzips „Lernen durch Lehren“. Daraus wurde die Idee geboren, dass die Studierenden in Teams die beiden Themen Cloud Computing und Mobile Business in verschiedenen Formaten für die Lehre aufarbeiten und sich als gewünschten Nebeneffekt noch einmal solide mit den Grundlagen der beiden Themen beschäftigen.

Lerninhalte und Lernumgebungen selbst gestalten!

So entstand dann ein E-Learning Kurs für Cloud Computing, der sich – realisiert auf unserer Moodle-Plattform – an unsere Studienanfänger richtet. Zu den Grundlagen des Cloud Computing entstand außerdem ein (offline) Serious Game namens Cloudivität, das sich ebenfalls an Einsteiger in das Thema richtet.

Zum Thema Mobile Business entstand eine blended learning Lerneinheit, die im ersten Semester in der Einführungsveranstaltung in die Wirtschaftsinformatik eingesetzt werden kann.

Jasonette

Jasonette, ein Framework zur Erstellung von Mobile Apps, deren Inhalte und Funktionalität rein mit JSON konfiguriert werden, war das Thema einer weiteren Gruppe. Die Gruppe konzipierte und entwickelte einen Prototyp einer App, die sich an Studieninteressierte in ihrem Studiengang richtet. Der Prototyp diente zu Evaluation des Frameworks – und in gleich zwei Blogbeiträgen beschrieben (Blogbeitrag 1, Blogbeitrag 2). Anhand verschiedener Kriterien wurde das Framework untersucht. In Anlehnung an das Forschende Lernen wurden die Ergebnisse in einem englischsprachigen Paper aufbereitet. Das Paper soll nach einer weiteren Überarbeitung durch mich in Kürze bei einer wissenschaftlichen Zeitschrift eingereicht werden. Insgesamt sehr beeindruckende Ergebnisse!

Chatbots

Neben den vielfältigen, bisher oft gehypten, Anwendungsgebieten beschäftigten wir uns mit den Möglichkeiten des Microsoft Bot Framework und den Optionen, die es zur Integration von Chatbots in Apps, die mit dem bereits erwähnten Framework Jasonette entwickelt wurden, gibt.

Das Thema ist für Studierende leicht zugänglich, und man kann mit vergleichsweise wenig Aufwand kleine Prototypen bauen. Es wurde aber auch deutlich, dass die wirklich nutzbringenden Anwendungsgebiete noch genauer zu erforschen sind. Zudem ist die Vorgehensweise zur Entwicklung – sofern sie sich überhaupt fundamental von dem Vorgeben bei „sonstigen“ Softwarentwicklungsprojekten unterscheidet – noch genauer zu analysieren und mit Erfahrungen zu hinterlegen. Und es bestehen große Unterschiede zwischen einfachen Chatbots, die nur mit vorgefertigten Fragen und Antworten hantieren, und solchen, die künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen integrieren.

Insgesamt ein Thema, das nach meinem Eindruck die Studierenden begeistert hat, schließlich sind sogar mehrere Blogbeiträge in Eigeninitiative entstanden. Es wird sicherlich auch beim nächsten Durchlauf eine Rolle spielen.

Blockchain

Das Thema wurde in mehreren Facetten behandelt. Während sich ein Team um das Verständnis zu Funktionsweise von Blockchains kümmerte, fokussierte eine andere Gruppe die Anwendungsgebiete. Schließlich betrachtete ein weiteres Team die Funktionen des Blockchain-as-a-Service (BaaS) von Microsoft.

Abgerundet wurde das Thema schließlich durch einen Gastvortrag von Dominik Heere, SAP SE, der uns aufgezeigt hat, wie das Unternehmen gemeinsam mit Kunden auf der Suche nach tragfähigen Anwendungsszenarien für den Einsatz von Blockchain-Technologie ist.

Erfahrungen und was sich beim nächsten Mal (vermutlich) ändern wird…

  • Blogbeiträge und Peer Review: Die nachträgliche Bearbeitung und Korrektur der Blogbeiträge ist sehr, sehr aufwändig. Vielleicht würde es helfen, wenn die Studierenden neben den Blogbeiträgen, die sie selbst erstellen und die benotet werden, auch ein Peer Review durchführen, dessen Qualität ebenfalls in die Bewertung eingeht? Ich bin gespannt, ob dies ankommt und zu Verbesserungseffekten führt.
  • Eigene Geschäftsmodelle entwickeln? Um die Anwendung des Business Model Canvas und der korrespondierenden Methoden zu verstehen, hat sich die Analyse und Beschreibung existierender Unternehmen bewährt. Wünschenswert wäre die Anwendung der Methoden, evtl. kombiniert mit oft schon bekannten Ansätzen des Design Thinking, um eigene Geschäftsideen zu entwickeln. Schließlich haben wir an der Hochschule besondere Möglichkeiten und Angebote im Bereich Design Thinking.
  • Themenauswahl: Cloud Computing wird mittlerweile in anderen Veranstaltungen ausreichend abgedeckt – hier werden wir uns zukünftig bei Bedarf nur noch mit speziellen Themen beschäftigen. Mobile Business und Mobile Computing bleiben ein Drauerbrenner; wir werden uns aber auch hier auf besondere Schwerpunkte beschränken müssen. Die Themen Chatbots und Blockchain schätze ich als dauerhaft relevant ein, daher werden diese Gebiete eher ausgebaut.
  • Neue Themen? Spannend ist vieles. Digitale Transformation, so könnte die gesamte Veranstaltung vermutlich mittlerweile besser heißen. Data Science, Künstliche Intelligenz, Maschinelles Lernen, Internet of Things. Nun ja, man muss sich dann doch irgendwo beschränken. Es gibt ja noch andere Veranstaltungen, aber falls Sie als Studierende oder Leser Ideen haben, nehme ich diese gerne entgegen. Just drop me an E-Mail.
  • Präsentationsformen? Obwohl unsere Studierenden normalerweise recht viel Erfahrung bei Präsentationen haben, hat sich das bei manchen Teilen von mir verlangte Pecha-Kucha-Format ab und zu als Herausforderung erwiesen. Ich überlege, dieses Format noch häufiger einzusetzen, um kompakte und ansprechende Präsentationen noch stärker zu üben. Die Erstellung von Snackcontent in vielfältiger Form, sei als als Plotagon-Video oder als mysimpleshow-Erklärvideo, oder auch in anderer Form hat sich bewährt, macht Spaß und wird auf jeden Fall mindestens im gleichen Umfange beibehalten.
  • Teamarbeit: Die Leistungen der Teams waren durchgehend sehr gut. Nicht umsonst lag die Durchschnittsnote der gesamten Veranstaltung bei 1,8. Dennoch gab es die ein oder andere Rückmeldung über unzureichende Mitarbeit im Team. Vermutlich lässt es sich mit vertretbarem Aufwand nicht vermeiden, dass einzelne Teammitglieder mehr und andere weniger tun. Das ist auch soweit in Ordnung und darf unter gewünschten Erfahrungen verbucht werden. Um die Unterschiede zu homogenisieren, werden die Teilnahmevoraussetzungen künftig strenger gehandhabt, d.h. keine Teilnahme ohne abschlossenes Praxissemester und Unternehmensinformatikprojekt. Ich erhoffe mir damit eine größere Reife der Studierenden. Vielleicht sollte es auch wieder mehr Einzelbewertungen geben?
  • Bewertung der Blogbeiträge: Die Bewertung der Blogbeiträge ist nicht einfach und sorgt sicherlich manchmal für Unmut. Obwohl ich mich bemüht habe, die Bewertungsmaßstäbe bekanntzugeben, sollte die Transparenz wohl im Vorfeld besser sein. Als ersten Schritt habe ich die einige Empfehlungen zur Erstellung der Blogbeiträge im Nachgang zu diesem Semester öffentlich und an prominenter Stelle zugänglich gemacht.

Bitte geben Sie Feedback!

Als Teilnehmer der Veranstaltung, als Studentin, der sie überlegen, im nächsten Durchlauf an der Veranstaltung teilzunehmen, als interessierter Leser: Ich freue mich über Ihre Diskussionsbeiträge, Ihre Ideen und Feedback.

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