Digitalisierung der Berufswelt – Data Driven Recruiting

Großunternehmen wie Bosch oder Unilever erhalten jährlich rund 200.000 Bewerbungen. Bei dieser großen Menge den passenden Kandidaten zu finden, ist für das Personalwesen nicht einfach. Daher setzen immer mehr Unternehmen auf eine automatisierte Vorauswahl. Data Driven Recruiting oder datengesteuerte Rekrutierung, heißt das Stichwort!

Online-Spiele und Selbstaufnahmen der Kandidaten vor dem Bewerbungsgespräch

Unilever hat einen digitalen Prozess eingeführt, indem sie Online-Spiele und Video-Interviews kombinierten. Somit wird der Bewerber durch automatisierte Abläufe in Augenschein genommen. Die Online-Spiele dauern nicht länger als 20 Minuten an und lassen sich auch von unterwegs über das Handy spielen. Anhand des Spielverhaltens wird ermittelt, wie der Kandidat an die Probleme herangeht. Nach erfolgreicher Teilnahme machen die Bewerber von sich selbst Videoaufnahmen. Dabei geben sie zu einer bestimmten Frage Antworten. Diese Daten geben Unilever Aufschluss darüber, welcher Kandidat am besten zum Unternehmen passt. Falls sich das Unternehmen für einen Kandidaten entscheidet, wird er persönlich ins „Face 2 Face Discovery Center“ eingeladen. Dort bekommen sie dann einen Einblick in die Arbeitswelt von Unilever und arbeiten an realen Fragestellungen.

Von der Stellenanzeige zum passenden Lebenslauf

Um mit den Massen an Bewerbungen, die Bosch jährlich bekommt, fertig zu werden, setzen die HR-Abteilungen spezielles Programme für die Analyse der Lebensläufe ein. Nachdem der Bewerber seinen Lebenslauf auf der Karriere-Website von Bosch hochgeladen hat, durchläuft zuerst dieses Programm den Lebenslauf. Danach werden die eingegeben Daten wie Qualifikationen, Ausbildung und Berufserfahrung mit den Anforderungen der Stellenanzeige verglichen. Stimmen die Kriterien überein, werden die Bewerbungen an das Personalwesen weitergeleitet.

Mein Tipp für deine nächste Bewerbung: Schreibe deine Qualifikationen genauso in deinen Lebenslauf, wie diese in der Stellenanzeige beschrieben werden. Wenn „Java Entwickler“ gefordert sind, solltest du nicht „Software Developer Web-Applikationen“ angeben. Somit kannst du mit Ungenauigkeiten eine Aussortierung deiner Bewerbung vermeiden.

Bei Manpower in der Schweiz kommt eine HR-Software mit einer semantische Such- und Matchingtechnologie zum Einsatz. Diese Software wurde von dem Unternehmen Textkernel programmiert. Durch die Verbreitung von drei Sprachen innerhalb der Schweiz kann die Software nicht nach Schlüsselwörter suchen, sondern legt ihr Augenmerk auf die Semantik.

Mit semantischer Such- und Matchingtechnologie konnten wir Profile vermitteln, die wir sonst wahrscheinlich nicht für die Position identifiziert hätten.“

Alexander Grasset, Senior Projekt Manager bei Manpower – Quelle

Unternehmen müssen nicht auf einen Bewerber warten

Die SAP Succesfactors hat eine HR-Software entwickelt, die anhand von Jobbeschreibungen ermitteln kann, wie ein geeignetes Profil eines Bewerbers sein müsste. Eine weitere Variante ist der aktive Jobvorschlag zum hochgeladenen Profil. Das Data Driven Recruiting könnte nicht nur für externe Bewerber eingesetzt werden, sondern auch für interne Mitarbeiter. Eine intelligente Suche für eine entstehende Stelle, wäre in der Lage einen Mitarbeiter vorzuschlagen, ohne dass er explizit auf der Suche nach einer neuen Arbeit ist.

Warum nicht gleich Robotern das Recruiting überlassen?

Eine Hackergruppe namens Slack-Hack-HR hat einen Prototypen für einen HR-Chatbot entwickelt. Dieser ist in der Lage einen passende Kandidaten zu finden und dem Personaler vorzustellen. Die Idee dabei ist, dem Chatbot Informationen und einen Link zur Stellenbeschreibung zu schicken. Danach analysiert der Bot diese Daten, um es im nächsten Schritt anhand von Fragen, die der Personaler beantwortet, einzugrenzen. Der Bot fängt daraufhin an, passende Kandidaten anzuschreiben, die er in verschiedenen Plattformen wie Xing, LinkedIn oder der eigenen Bewerberdatenbank finden konnte. Der Chatbot ist sogar in der Lage, Fragen zur offenen Stellen, Umfeld und Unternehmen zu klären. Ein Vorteil dabei ist, dass der Chatbot 24h Stunden bereit ist, Bewerberfragen zu beantworten.

Ein weiterer interessanter Blogbeitrag zum Thema Chatbots ist hier zu finden: https://ebusiness2020.wordpress.com/2017/06/17/chatbots-nuetzliches-tool-oder-doch-nur-spielerei/

Fazit

Das Data Driven Recruiting bietet den Unternehmen zahlreiche Möglichkeiten, den passenden Kandidaten zu finden. Dennoch setzen laut einer Studie der Universität Bamberg nur zwei Prozent der Unternehmen einen Algorithmus ein, bei denen Bewerbern automatisch passende Stellen angeboten, dem Unternehmen ein geeigneter Kandidat empfohlen oder Recruiting-Spiele eingesetzt werden. Trotzdem sind 38 Prozent der befragten Unternehmen und 36 Prozent der Stellensuchenden der Meinung, dass in Zukunft moderne Recruiting-Techniken eingesetzt werden. Der Vorteil einer intelligenten HR-Software ist zudem, dass diese keine Vorurteile hat. Mithilfe von maschinellen Lernen kann die Software eigenständig Formulierungen für Stellenanzeigen, je nach Geschlecht oder aber auch gender-neutral gestalten. Die Frage, die sich bei all den Vorteilen von Data Driven Recruiting stellt ist:

Werden Personaler noch benötigt oder sind Roboter die besseren Recruiter?

„Die Antwort lautet natürlich nein“, sagt der Leiter des Produktmanagement Recruiting SAP Successfactory und fügt hinzu:

„Es geht nicht darum, einen Recruitingprozess komplett zu automatisieren, sondern es geht darum, an den Stellen, an denen die Maschine unterstützend eingreifen kann, den Recruitern einen entsprechenden Support zu geben.“

Was meinst du zu Data Driven Recruiting? Würdest du dich vor dem Bewerbungsgespräch mit einem Online-Spiel, unter Beweis stellen wollen? Wäre es dir vielleicht zu unpersönlich, mit einem Roboter über deine Karriere zu unterhalten? Schreibe deine Gedanken dazu in die Kommentare.

Quellen

http://www.wiwo.de/adv/capgemini/digitale-personalabteilung-auf-dem-digitalen-spielplatz/14494484-2.html

https://www.unilever.de/presseservice/pressemitteilungen/2016/unilever-setzt-im-bewerbungsprozess-auf-digital.html

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Eine Antwort zu “Digitalisierung der Berufswelt – Data Driven Recruiting

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