Ambient Assisted Living (AAL) – Chancen in Zeiten der Überalterung

Zurzeit befinden wir uns in der Phase des demographischen Wandels. Laut dem Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung ist im Jahre 2050 jeder achte Mensch über achtzig Jahre alt. Es wird immer mehr ältere als junge Menschen geben, was vor allem auf die hohe Lebenserwartung und die niedrige Geburtenrate zurückzuführen ist. Die anschließende Abbildung verdeutlicht dies mit der prognostizierten Bevölkerungsverteilung im Jahr 2050 in Form eines Urnenmodells.

Dies wird sich in absehbarer Zukunft nicht ändern. Die Pflegebedürftigkeit im hohen Alter und der Bedarf an Pflegeleistungen und Fachkräften steigt kontinuierlich. Bereits jetzt gibt es einen Mangel an Pflegepersonal. Der Grundgedanke von Ambient Assisted Living (AAL) ist es, älteren Menschen ein längeres und selbstständiges Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Dies soll dazu führen, Gesundheitswesen und Pflegepersonal in naher Zukunft zu entlasten. Doch bietet AAL hierfür ausreichend Potenzial?

In diesem Blogbeitrag findest Du eine kurze Definition zu Ambient Assisted Living und eine Beschreibung zur Funktionsweise. Da hier noch von einem Forschungsbegriff gesprochen wird, gibt es Probleme, die der Marktdurchdringung im Wege stehen. Diese und ein anschließender Ausblick auf die Entwicklungsmöglichkeiten von AAL werden Dir hier veranschaulicht.

Was ist Ambient Assisted Living?

Bei Ambient Assisted Living (AAL) wird von altersgerechten Assistenzsystemen gesprochen, die älteren Menschen ein längeres und selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen sollen. Hierzu werden Daten der Nutzer und medizinische Paramter erfasst und gezielt verarbeitet. Die Technologie ist dabei nutzerorientiert und integriert sich direkt ins Lebensumfeld des Pflegebedürftigen.

Die Umgebung wird so gestaltet, dass auch ältere Menschen mit Einschränkungen selbstständig zu Hause wohnen können. Sowohl die Steigerung der Lebensqualität, als auch die Teilnahme an der Gesellschaft werden älteren Menschen durch das Nutzen von AAL-Systemen ermöglicht. Die Bandbreite von diesen Systemen reicht hierbei von der Unterstützung alltäglicher Dinge, bis zu komplexen Gebäudemanagmentsystemen.

Im Gegensatz zu Smart Home, das die eingesetzte Technik repräsentiert, wird bei AAL von einer intuitiven, benutzerfreundlichen und altersgerechten Nutzung der Technik gesprochen. Obwohl die beiden Begriffe nahe beieinander liegen, können sie in dieser Hinsicht differenziert werden. Falls es Dich interessiert findest Du hier einen interessanten Blogeintrag zu „Die vielfältigen Möglichkeiten des Smart Home“.

Wie funktioniert AAL?

Ambient Assisted Living hebt sich vor allem durch die Verknüpfung bereits vorhandener Techniken ab. Eine AAL-Umgebung bildet in der Regel einen Verbund in Form eines Netzwerkes und besteht dabei aus verschiedensten Komponenten. Die Erfassung von Daten eines Nutzers erfolgt über entsprechende Interaktionselementen wie Maus, Kamera, Bildschirm, Mikrofon, und Gestenerkennungssysteme. Sensoren in der AAL-Umgebung erfassen dabei Daten in Form von medizinischen Parametern des Patienten.

Die Entscheidungskomponente bildet die Zentrale und kann als Steuereinheit des Systems angesehen werden. Sie ist verantwortlich für das Analysieren und Auswerten der gelieferten Daten und erkennt aktuelle Situationen des Nutzers. Mögliche Aktionen und Vorgehensweisen werden darauf aufbauend von der Entscheidungskomponente geplant, um bestmöglich zu reagieren.

Aktoren setzen letztendlich die geplanten Aktionen um, indem sie elektrische Impulse in mechanische Bewegung oder andere Größen wie z.B. Temperatur, transformieren.

Welche Anwendungen gibt es?

Am häufigsten werden die Anwendungsfelder Sicherheit, Kommunikation und Gesundheit mit AAL in Verbindung gebracht. Smart Home ist ein gutes Beispiel für die wachsende Zugänglichkeit von AAL im Alltag. Es dient jedoch in erster Linie der Erhöhung des Lebensstandards und spricht neben älteren Menschen auch andere Zielgruppen an. Genau in diesem Zusammenhang werden die verwandten Begriffe Smart Home und AAL auch unterschieden.

Sicherheitsfunktionen und Komfortszenarien sprechen meistens jede Altersgruppe an und nicht nur ältere Menschen. Beispiele hierfür wären das Warnen vor offenen Fenstern oder Ausschalten des Herds. Das Hereinlassen des Pizzaboten mittels der TV Fernbedienung wäre ebenfalls ein entsprechendes Komfortszenario. Der TV dient in diesem Setting als primäres Interaktionsgerät, indem er anzeigt, wer soeben an der Tür geklingelt hat.

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Nutzer interagiert mit TV, der als primäres User Interface dient. (Eigene Dartstellung)

Dementsprechende Komfort- oder Sicherheitsszenarien sind also bereits im Rahmen von Smart Home Bestandteil vieler Haushalte. Bei AAL-Umgebungen werden solche Szenarien um eine altersgerechte und benutzerfreundliche Anwendung erweitert.

Einsatz von Assistenzsystemen im Bereich Gesundheit und Pflege können in Gesundheitsvorsorge, chronische Krankheiten und altersbedingte Krankheiten eingeteilt werden. Beispielsweise benötigen viele chronische Krankheiten eine ständige Kontrolle. Das regelmäßige Erfassen von Vital- und Bewegungsdaten wird durch den Einsatz von Telemonitoring-Systemen ermöglicht.

Vor allem in ländlichen Regionen, in denen ein zunehmender Ärztemangel herrscht, ermöglichen solche Systeme eine Fernüberwachung, -diagnose und -untersuchung des Patienten. Technische Assistenzsysteme, die medizinische Parameter des Nutzers erfassen, leiten diese direkt an Arzt, Pflegedienst oder Angehörige weiter.

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Automatische Übermittlung der medizinischen Daten (Eigene Darstellung)

Grundsätzlich gibt es kaum Grenzen, wie komplex ein solches System sein kann und welche Aufgaben es nicht bewältigen könnte. Eine genauere Beschreibung weiterer Anwendungsszenarien würde den Rahmen in diesem Beitrag sprengen. Wenn allerdings Interesse an weiteren Szenarien besteht, kannst Du gerne unten einen Kommentar hinterlassen. Um den Einsatz im Alltag nochmals zusätzlich zu untermauern, findest Du hier noch einen kleinen Snack Content zum Thema Ambient Assisted Living.

Einen weiteren interessanten Beitrag zu intelligenten Haushaltsgeräten findest Du hier: Smart Home – Household Appliances

Status Quo – Schwierigkeiten und Marktsituation

Um eine ausreichende Akzeptanz und Marktreife zu erreichen, müssen diverse Probleme noch besser gelöst werden. Die Systeme sind meist Insellösungen, die nicht oder nur bedingt zu verknüpfen sind. Nachträgliche Änderungen an einem solchen System sind daher schwierig und teuer. Dies ist vor allem auf die nicht vorhandenen standardisierten Schnittstellen zurückzuführen. Da AAL-Systeme beliebig komplex sein können, besteht Bedarf an einem innovativen und benutzerfreundlichen User Interface. Dies muss vor allem für ältere Menschen ohne Probleme zu bedienen sein. Die Meisten sind nicht erfreut, auf Assistenzsysteme angewiesen zu sein. Das Sammeln von Daten über den Nutzer ist unumgänglich und für die perfekte Funktionalität des Systems erforderlich. Dabei ist der Datenschutz als kritisch zu betrachten. Die Anforderungen von älteren Menschen befinden sich stets im Wandel. AAL-Umgebungen müssen ohne großen Aufwand erweiterbar sein, um sich an die Bedürfnisse der Nutzer anpassen zu können.

Entwicklungsmöglichkeiten

Wird den im vorherigen Abschnitt erläuterten Problemen entgegengewirkt, so können AAL-Systeme eine große Entlastung für Gesundheitwesen und Pflegepersonal sein. Sich mit der Weiterentwicklung solcher Systeme zu beschäftigen, ist vor allem in Zeiten des demographischen Wandels sinnvoll. Um eine Marktdurchdringung zu erreichen, müssen einheitliche Schnittstellen und herstellerübergreifende Verknüpfungen erfolgen. Ein engerer und sensiblerer Umgang mit der Nutzergruppe ist notwendig. Die Abgrenzung von dem Begriff „Ambient Assisted Living“ sollte in Erwägung gezogen werden, da dieser wenig Bezug zur Zielgruppe findet. Ausreichend Potenzial für einen Massenmarkt ist vorhanden. Für viele zukünftige Nutzer wird Datenschutz im Zusammenhang mit AAL ein kritisches Thema bleiben. In diesem Fall wird jeder selbst entscheiden müssen, wie er zu diesem Thema steht.

Deine persönliche Meinung?

Kannst du Dir vorstellen Assistenzsysteme im Alter zu nutzen? Wie wichtig ist Dir im Alter die Teilnahme an der Gesellschaft und das Leben in den eigenen vier Wänden? Wie stehst Du persönlich zu dem Thema „Datenschutz“?

Ich bin gespannt auf Dein Feedback.

Quellen

Buch – Ambient Assisted Living (AAL): Komponenten, Projekte, Services; eine Bestandsaufnahme (ISBN: 978-3-8007-3328-6)

Studentengruppe Uni Oldenburg – AAL

Studentengruppe Uni Oldenburg – Einsatzbereiche von AAL

Seite des BMBF

Deutsches Institut für Normung – Anforderungen an AAL

Diplomarbeit von Christian Ostermeier – Die Zukunft des (Ambient) Assisted Living

Wikipedia – Ambient Assisted Living

Wikipedia – Demographischer Wandel

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2 Antworten zu “Ambient Assisted Living (AAL) – Chancen in Zeiten der Überalterung

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