So setzen Unternehmen Mobile Computing ein

Was bedeutet Mobile Computing?

Den Begriff Mobile Computing hast du bestimmt schon einmal gehört, oder? Aber weißt du genau was dahintersteckt und wie Mobile Computing in Unternehmen sinnvoll zum Einsatz kommen kann? In diesem Beitag werden die Fragen geklärt und vier verschiedene Einsatzszenarien von Mobile Computing in Unternehmen dargelegt.

Grundsätzlich steht der Begriff Mobile Computing für die Benutzung eines mobilen Kommunikationsgerätes, auf dem Daten verarbeitet werden können. Diese ursprüngliche Vision des Konzeptes wurde bereits relativ früh ermöglicht – genaugenommen im Jahr 1981. Die osborne Computer Corporation brachte damals den Osborne 1 auf den Markt, der erste kommerziell vertriebene tragbare Computer. Die Geräte entwickelten sich von Jahr zu Jahr weiter. Während der Osborne 1 noch mit einem Reisekoffer vergleichbar war, kamen bald handlichere Laptops auf den Markt. Schon zu Beginn des Jahrtausends erkannten viele Unternehmen den Trend und beschafften mobile Rechner, sodass die Mitarbeiter fortan auch unterwegs oder von zu Hause aus arbeiten konnten. Damals allerdings in der Regel noch nicht vernetzt und ohne ständige Verbindung in das Unternehmensnetzwerk.

Der Trend, der immer mobiler und leichter werdenden Geräte wurde schließlich durch die uns bekannten Smartphones und Tablets fortgesetzt, die durch den Einsatz von Mobilfunk nahezu an jedem Ort der Welt eine Verbindung in das Internet haben.

Aufgrund dieser neuen Möglichkeiten wurde der ursprüngliche Ansatz des Mobile Computing durch die Vernetzung der mobilen Endgeräte mit Servern und Netzen erweitert. Die mobilen Endgeräte sind nach der Definition des Konzeptes keine alleinstehenden Geräte mehr, sondern Teil eines größeren Ganzen (bspw. Internet oder Unternehmensnetzwerk) und ermöglichen damit das Abrufen und die Verarbeitung von Daten zu jeder Zeit, an jedem Ort – völlig mobil.

Allgemeine Möglichkeiten

Diese neue Dimension der Mobilität schafft daher neue Möglichkeiten für Unternehmen:

Während das Arbeiten früher an einen stationären Computer gebunden war, meistens in Verbindung mit einem eigenen Schreibtisch in einem eigenen Zimmer, ermöglichen die mobilen Geräte mittlerweile das Arbeiten von überall. Sei es das „überall“ innerhalb eines Gebäudes, was dynamische Teamstrukturen in Projekten ermöglicht oder das Arbeiten von extern, entweder zu Hause oder unterwegs. Das Arbeiten von außerhalb wirkt auf den Mitarbeiter so, als sei er mit seinem Gerät direkt im Unternehmensnetzwerk. Dienste wie VPN machen das Arbeiten von außerhalb möglich und bieten durch die Verschlüsselung des Datenverkehrs (der über das Internet übertragen wird) eine sichere und private Verbindung zwischen den beiden Endpunkten an. (VPN-Server im Unternehmen und VPN-Client auf dem mobilen Endgerät).

Durch die Vernetzung der mobilen Geräte mit dem Unternehmensnetzwerk sind keine anlogen Dokumente mehr nötig. Alles kann von überall über das Smartphone oder Tablet abgerufen, hinterlegt und in Echtzeit in das betroffene System synchronisiert werden (beispielsweise in das CRM- oder ERP-System des Unternehmens). Das reduziert u.a. die Bearbeitungsdauer und Fehleranfälligkeit von Anträgen und Prozessen erheblich, Änderungen und Löschungen können zudem revisionssicher gespeichert werden. Des Weiteren wird eine verbesserte Interaktion zwischen verschiedenen Prozessen ermöglicht. ­Unternehmen, die für ihre Geschäftsprozesse ausschließlich mobile Endgeräte einsetzen, bezeichnet man auch als Mobile Enterprise.

Jederzeit auf Informationen zugreifen zu können, lässt schon erahnen, dass Unternehmen ein Interesse daran haben, ihre Mitarbeiter in dringenden Fällen auch nach Feierabend erreichen zu können. Mobile Computing erlaubt es, dass Berufsleben und Privatleben sich annähern und bspw. durch BYOD (Bring your own device) auch ein Stück miteinander verschmelzen.

BYOD „Bring your own device“ bedeutet, dass Mitarbeiter beispielsweise nicht gleichzeitig Geschäftshandy und Privathandy mit sich herumtragen müssen, sondern dass auch hier beide Welten auf einem Device verschmelzen. Der Mitarbeiter hat hierbei die freie Auswahl welches Gerät er sich aussucht, da seitens des Unternehmens in der Regel keine Vorschriften existieren. Durch die Integration der Geschäftsapplikationen auf dem privaten Smartphone ist ein Mehrwert an Komfort für den Mitarbeiter gegeben. Um die Sicherheit der Geschäftsdaten sicherzustellen, kommen für die Geschäftsapplikationen in der Regel passwortgeschützte Container zum Einsatz, die die sensiblen Daten vor Angriffen schützen sollen.

Einsatzszenarien

Im Folgenden werden die Einsatzmöglichkeiten von Mobile Computing anhand verschiedener Unternehmensbereiche skizziert. Es handelt sich hierbei nicht nur um Visionen, sondern um Möglichkeiten, die in den Branchen bereits größtenteils Realität sind.

Bausektor

Für Jour-Fix Termine auf Baustellen oder bei Besprechung mit Verantwortlichen werden Unterlagen benötigt, wie Pläne, Statusberichte oder Dokumentationen. Alle diese Daten sollen nicht ausgedruckt werden, sondern zentral und revisionssicher auf einem System gespeichert werden. Der Zugriff auf diese Daten erfolgt mobil via Tablet, Notebook oder Smartphone. Änderungen an Daten werden dem entsprechenden System in Echtzeit bekanntgegeben. Anschließend haben alle weiteren Teilnehmer Zugriff auf die aktuellen Unterlagen. So haben alle Beteiligten permanent die gleiche Information und die Dokumentation bspw. des Baufortschrittes kann via Tablet erfolgen. Akten und Pläne sind in ausgedruckter Form auf der Baustelle daher nicht mehr nötig.

Zusätzlich kann über das mobile Device beispielsweise die Anwesenheit der Bauarbeiter durch den Bauleiter dokumentiert werden – oder eine Dienstplaneinteilung vorgenommen werden. Die Daten gelangen daraufhin direkt in das ERP-System der Baufirma und können dort direkt innerhalb von anderen Prozessen weiterverarbeitet werden.

Produktionssektor

Ein Einsatzszenario von Mobile Computing in der Produktion ist die Steuerung und Überwachung von Anlagen über Tablets und Smartphones. Über das HMI (Human Machine Interface) kann der Instandhalter über eine intuitive Tablet-App den Status von Anlagen auslesen, sowie mobil Wartungen planen und dokumentieren. Dies wird neben Mobile Computing auch durch die Vernetzung der Produktionsanlagen ermöglicht (Industrie 4.0).

Störungen und Stillstände können so direkt an der Anlage erfasst werden, was die Datenqualität erheblich erhöht. Zudem können die Daten beispielsweise mit einem Foto oder den GPS-Koordinaten hinterlegt werden, um sicherzustellen dass ein Kollege aus der Instandhaltung die defekte Stelle schnellstmöglich finden und beheben kann. Der Prozess der Störungserkennung und der Störungsbehebung kann so wesentlich effizienter miteinander verzahnt werden und ermöglicht so das direkte Triggern von Ereignissen, wie in der nachfolgenden Grafik visualisiert.

InstandhaltungsProzess

Idee für einen Instandsetzungsprozess | Eigene Darstellung

Der Vorteil von mobilen Endgeräten gegenüber stationären Terminals liegt hier darin, dass diese zu unterschiedlichen Zwecken eingesetzt werden können, während die Terminals in der Produktion in der Regel nur für eine Anwendung optimiert sind. Liegt zudem eine Störung an einer Anlage vor, lässt sich nicht ausschließen dass das Terminal auch nicht mehr ordnungsgemäß funktioniert. Durch den multifunktionalen Einsatz und der Mobilität der Tablets, lassen sich daher Kosten sparen und die Effizient erhöhen.

Dienstleistungssektor

Auch Dienstleistungsunternehmen (beispielsweise Softwarefirmen) nutzen Mobile Computing um möglichst agil arbeiten zu können. Stationäre Rechner sind hier in der Regel nicht mehr vorhanden, Büroplätze nicht mehr fest zugeteilt. Das ermöglicht schnelle und unkomplizierte Platzwechsel innerhalb eines Gebäudes. So können dynamisch neue Teams gebildet werden, die sich dann gemeinsam um ein bestimmtes Thema kümmern. Durch den Einsatz von Kollaborationstools wie Sharepoint, Exchange oder Skype for Business sind die Mitarbeiter sowohl innerhalb eines Büros, als auch über mehrere Standorte hinweg vernetzt. Das Notebook dient hierbei als ein vollmobiles Büro, auf dem alle notwendigen Informationen für den Mitarbeiter zusammenlaufen und verarbeitet werden. Während man ein Notebook, trotz seiner Mobilität nicht ständig bei sich hat, spielt auch das Smartphone hier eine wichtige Rolle. In der Regel sind über das Smartphone die gleichen Funktionen und Anwendungen nutzbar wie auf einem Notebook. So kann auch von unterwegs und ohne Laptop problemlos und jederzeit auf wichtige Daten zugegriffen werden.

Microsoft, Lumina 950 XL via Dock an Bildschirm | Microsoft Newsroom

Smartphones wie das Microsoft Lumina  950 lassen sich über ein Dock sogar direkt mit einem Monitor verbinden. Mit einer angeschlossenen Tastatur und Maus lässt sich hiermit so arbeiten, als säße man vor einem Rechner. Dieser Rechner ist noch mobiler als ein Notebook und passt in jede Hosentasche.

Handelssektor

Auch der Handel hat sich durch Mobile Computing stark verändert und steht wohl erst am Anfang einer gewaltigen Transformation. Durch die fortschreitende Vernetzung der Gesellschaft und der mobilen Endgeräte, die fast jeder den ganzen Tag über bei sich trägt, erwarten die Konsumenten zunehmend, dass sie 24 Stunden am Tag Produkte und Dienstleistungen erwerben oder sich darüber informieren können. Dies bezeichnet man auch als M-Commerce (Mobile Commerce) angelehnt an den E-Commerce, allerdings begrenzt auf den Einsatz von mobilen Endgeräten und der Nutzung moderner Informations-, Kommunikations- und Mobilfunktechniken.

Die Entwicklung des Trends lässt sich anhand folgender Grafik erkennen, welche die Umsätze in den USA darstellt, die über mobile Geräte getätigt wurden (aufgeteilt nach Tablets und Smartphones).

m_commerce_stat.jpeg

The Rapid Rise of Mcommerce

Diese Erwartung bzw. das Bedürfnis der Kunden, können handelnde Unternehmen entweder durch eine eigene Shopping-App oder einen für mobile Geräte angepassten Webshop stillen. Den Markt, den die Unternehmen dadurch erschließen können, ist nahezu grenzenlos, da er nicht mehr regional oder zeitlich gebunden ist. Zudem bietet Mobile Computing den Shopbetreibern zusätzliche Werkzeuge um eine spezifischere Adressierung einer potentiellen Kundengruppe zu ermöglichen, beispielsweise die Auswertung des Kaufverhaltens in der Vergangenheit oder durch Geo-Daten.

Du merkst schon, dass die Idee „Mobile Computing“ schon länger existiert und mittlerweile auch durch die Digitalisierung weit vorangeschritten ist. In vielen Unternehmen gehört der Einsatz von mobilen Geräten längst zum Alltag – und der Trend geht ganz klar weiter in diese Richtung.

Im Beitrag selbst wurde nur auf vier mögliche Einsatzszenarien eingegangen. Kennst du noch weitere Möglichkeiten Mobile Computing in Unternehmen einzusetzen? Und wie würdest du diesen Trend bewerten?

Wie die Berufswelt weiter digitalisiert wird (auch dank Mobile Computing), wird übrigens im Artikel „Digitalisierung der Berufswelt – Data Driven Recruiting“ im Hinblick auf elektronische Bewerbungsverfahren untersucht.

Literatur:

Computerwoche: Mobile Computing – Reloaded

Mobile Computing im Bau- und Infrastrukturwesen 

Business-Cloud.de – Arbeit mobil, Programmieren agil

IT Production: Einsatz von mobilen Endgeräten in der Produktion

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Eine Antwort zu “So setzen Unternehmen Mobile Computing ein

  1. Pingback: Digitalisierung der Büroarbeit – ist das sinnvoll? | E-Business·

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