Blockchain – Wie es deinen Alltag beeinflussen könnte

 

„We should think about the blockchain as another class of thing like the Internet — a comprehensive information technology with tiered technical levels and multiple classes of applications for any form of asset registry, inventory, and exchange, including every area of finance, economics, and money; hard assets (physical property, homes, cars); and intangible assets (votes, ideas, reputation, intention, health data, information, etc.)…“.

– Melanie Swan[1]

Zitate wie dieses liest man in letzter Zeit vermehrt. Viele Experten überschlagen sich geradezu vor Begeisterung, wenn sie über das Potenzial der Blockchain berichten. Andere Stimmen halten die Blockchain hingegen lediglich für ein Hype-Gebilde, das schnell wieder in der Versenkung verschwinden wird.

Um die Blockchain-Technologie wirklich tiefgreifend zu verstehen, bedarf es weit mehr als ein paar Bücher oder Fachartikel zu lesen. Sie in einem Blogbeitrag zu erläutern ist daher so einfach, wie der Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln. Trotzdem werde ich im folgenden Beitrag versuchen, dir einen rudimentären Einblick in die Funktionsweise der Blockchain sowie in potenzielle Anwendungsszenarien zu geben.

Was ist eine Blockchain?

Um zu verstehen, was die Blockchain ist, muss die Kryptowährung Bitcoin erwähnt werden. Im Herbst 2008 veröffentlichte ein Autor unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto ein White Paper („Bitcoin: A-Peer-to-Peer Electronic Cash System“ als PDF-Format) in dem er seine Idee einer digitalen Währung mitsamt der notwendigen Technik sowie dazugehörigen Leistungen beschrieb – dem Bitcoin. Die Grundlagen seines vorgeschlagenen digitalen Transaktionssystems kann folgendermaßen zusammengefasst werden:

  • Dezentrales System (Peer-to-Peer), in dem alle Teilnehmer gleichberechtigt sind und jeweils einen Bitcoin-Client auf ihrem Rechner ausführen lassen, der sie über das Internet verbindet.
  • Alle Transfers erfolgen direkt zwischen den Teilnehmern, ohne Involvierung eines Dienstleisters, ohne Zeitverzögerung, unabhängig von physischen Distanzen und Landesgrenzen.
  • Anhand des geheimen/privaten Schlüssels kann jeder Teilnehmer zweifelsfrei nachweisen, dass sie hinsichtlich der bitcoins, die zu einer öffentlichen Adresse gehören, verfügungsberechtigt sind.
  • Netzwerkteilnehmer (Miner) bestätigen dezentral die Korrektheit der Transaktionen und ihre Stimmigkeit mit allen vorausgegangenen Transaktionen im Netz.
  • Die Datenbank wird aufgrund der angewandten Systematik des Aufbaus auch als Blockchain bezeichnet und wird vollständig dezentral verwaltet. [2]

Durch die kurze Betrachtung der Kryptowährung Bitcoin hast du nun also erfahren, dass es sich bei der Blockchain um eine dezentrale Datenbank handelt – jeder Teilnehmer hat im Grunde die gleichen Zugriffsrechte.

Abbildung 1: Vereinfachte Bitcoin-Blockchain (Quelle)

Bitcoin’s Blockchain kann aus einer beliebigen Anzahl an Datenblöcken bestehen (in der obigen Abbildung sind es drei). Neue Blöcke werden von sog. Minern in einem Konsensverfahren erstellt. Dies geschieht anhand des rechenintensiven Proof-of-Work-Verfahrens. Das PoW-Konzept ist dabei so konstruiert, dass alle 10 Minuten ein Teilnehmer des Systems, die in dieser Zeit bei ihm angelegten Transaktionen zu einem nicht mehr veränderbaren Block zusammenfasst. Dieser Block wird anschließend an alle Teilnehmer verteilt und ist damit kollektiver Bestandteil der Blockchain. Um die Teilnehmer des Netzwerkes zur Erzeugung von neuen Blöcken zu animieren, erhalten Miner eine festgelegte Anzahl an Bitcoins.

Beim Mining wird jeder neuer Block mit einem Hash-Wert des vorherigen Blocks versehen und an diesen angehängt. Ein Hash-Wert kann also als Fingerabdruck des vorherigen Blocks verstanden werden. Dieses Verfahren ist auch Garant dafür, dass die Blockchain vor Manipulation geschützt ist.

Jeder Teilnehmer kann zu einem Node (engl. Knoten) werden, also ein gleichberechtigter Teil des Ganzen werden. Die Nodes überprüfen jede Transaktion mit der entsprechenden Software und senden sie weiter. Die Software kontaktiert andere Nodes, um deren d’accord bzw. Info abzuholen. Die Nodes müssen sich aufgrund des asymmetrischen Verschlüsselungsverfahren nicht untereinander vertrauen, um konsistente Daten zu gewährleisten.

Wie könntest du mit der Blockchain in Berührung kommen?

1. Anwendungsszenario: Digitale Kunst

Unter dem Begriff der Digitalen Kunst versteht man jede Art von Kunst, die mit dem Computer erzeugt wird. Stell dir vor, du schwärmst für Pixel Art. Betreibst evtl. sogar eine eigene Website, auf der du deine Kunst ausstellst. Wie kannst du sicher gehen, dass nicht irgendjemand mit ein paar Klicks deine Werke kopiert und böswillig als die Seinen ausgibt? Mehrere Unternehmen, wie z.B. das Berliner Startup Ascribe, widmen sich diesem Problem. Durch den Einsatz der Blockchain kann jeder einzelne Transfer aufgezeichnet werden. So ist zu jedem Zeitpunkt klar, wer Urheber eines bestimmten Werkes ist. Digitale Kunst kann transferiert oder verliehen werden, ohne dass dabei der Anspruch des Urhebers verloren geht. Ferner kann der Standort aufgezeichnet werden, um so die Historie des Werkes festzuhalten. Potenzielle Käufer können jederzeit zurückverfolgen, welchen Weg ein digitales Kunstwerk hinter sich hat.

Mehr zum Thema Digitale Kunst und Urheberrecht findest du hier: Artikel des Monopol-Magazins über Urheberrechte von digitaler Kunst

2. Anwendungsszenario: Staatliche Organisationen

Auf der Isle of Man, in der Irischen See liegend, wurde 2015 das erste staatliche Blockchain-Projekt ins Leben gerufen. Das Ziel soll es sein, sämtliche auf der Insel ansässigen Unternehmen in der Blockchain zu registrieren. Die Verantwortlichen des Projekts erhoffen sich Fortschritte bzgl. der Bekämpfung von Geldwäsche sowie der Unterbindung bei der Finanzierung von terroristischen Vereinigungen – beides wichtige Anliegen in der als Steueroase berüchtigten Insel.

In Honduras wurden ebenfalls bereits erste Erfahrungen mit der Blockchain-Technologie gemacht. Durch die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Factom erhofft sich die Regierung die Behebung des Problems bzgl. des Betrugs von Grundstück-Eigentumsurkunden. Kriminelle machten sich in der Vergangenheit an der zentralen Datenbank zu schaffen und schoben sich die Rechte gefragter Grundstücke selbst zu. Das von Factom erschaffene System arbeitet mit Zeitstempeln, sodass sämtliche Daten, wie für die Blockchain charakteristisch, dezentral gespeichert werden. Durch die Blockchain-Technologie können Eigentumsdaten somit nicht mehr so einfach manipuliert werden.

3. Anwendungsszenario: Musikindustrie

Das weltweite Rechte- und Lizenzierungschaos der Musikindustrie hat dich ganz gewiss auch schon in den Wahnsinn getrieben. Das Startup Peertracks schickt sich nun an, dem ein Ende zu machen. Oftmals sind die Rechte an einem Stück unter zahlreichen Anteilseignern aufgeteilt. Es kann zudem unterschiedliche Rechteinhaber geben, je nachdem ob es sich z.B. um die Originalverfassung oder den Klingelton handelt. Wer tatsächlich die Rechte an einem Stück besitzt, ist aktuell oft schwer herauszufinden. Peertracks will deshalb eine Plattform schaffen, die eine Mischung aus Spotify, iTunes und Crowdfunding-Seiten darstellt.

Der britischen Sängerin Imogen Heap ist dies möglicherweise schon gelungen. Im Jahr 2015 veröffentlichte sie auf der Homepage Ujo Music und auf der, dafür eigens von ihr gegründeten, Plattform Mycelia ihren Song „Tiny Human“. Das Besondere daran war, dass die Seite auf der Blockchain Ethereum basiert. Man zahlt nicht mit bisher bekannten Zahlungsvarianten, sondern mit der Kryptowährung Ether. Durch Mycelia sollen Musiker künftig in der Lage sein, ihre Arbeit selbstständig zu veröffentlichen – frei von jeglichen Plattenfirmen. Der Profit würde direkt an die Kunstschaffenden gehen. Durch sogenannte „Smart Contracts“ könnte sogar vorab geklärt werden, wie der Profit aufgeteilt wird. Um sich die Rechte an den Werken zu sichern, werden der Künstlername, der Rechtsinhaber sowie der Titel in die Blockchain eingetragen.

4. Anwendungsszenario: Finanzmärkte

Vor allem in der Finanzindustrie ist das Potenzial der Blockchain immens. Laut einer Studie des BearingPoint Institute könne die Blockchain die Rolle der Intermediäre massiv in Frage stellen. Für die Banken selber könnte die Blockchain auch von Nutzen sein: Die durchschnittliche Bearbeitungsdauer von Transaktionen könnte von 24 Stunden auf 0,1 Sekunden verkürzt werden. Gleichzeitig würden die durchschnittlichen Kosten von heute bis zu 40 Euro pro Transaktion auf nur noch 5 Euro fallen. Für die Studie hat BearingPoint ermittelt, dass mit der Technologie bis 2022, 13 bis 18 Milliarden Euro an Einsparungen in der Bankeninfrastruktur entstehen könnte. Für länderübergreifende Zahlungen, den Wertpapierhandel oder bei der Erfüllung regulatorischer Auflagen könnte die Blockchain zum Einsatz kommen.

Abbildung 2: Potenzial der Blockchain (Quelle)

Fazit

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass vor allem die Finanzindustrie von der Blockchain-Technologie elektrisiert ist. In der Theorie könnte sie intermediäre Instanzen abschaffen, wovon es in der Finanzbranche viele gibt. Derzeit wichtige zentrale Stellen, wie z.B. Börsen, Depotbanken, Gegenparteien zur Abwicklung von Wertpapiertransaktionen sowie Broker oder gar manche Geschäftsbank stehen auf dem Prüfstand.

Es gibt aber auch zahlreiche Stimmen, die die Blockchain-Technologie für überschätzt halten. Die Theorie in die Praxis umzusetzen, sei viel komplexer, als von den Enthusiasten suggeriert würde. Neben dem enormen technischen Aufwand sei vor allem die Akzeptanz der Gesellschaft notwendig [3].

Im jährlichen Gartner Hype Cycle genießt die Blockchain im Jahr 2016 ein Erwartungshoch. Wie lange dies noch so bleibt, oder ob sie wie Bitcoin bald im Tal der Enttäuschungen landet, bleibt abzuwarten.

Abbildung 3: Gartner Hype Cycle 2016 (Quelle)

Was denkst du?

Hast du bereits erstes Wissen über die Funktionsweise der Blockchain erlangt? Bist du der Meinung, sie ist wirklich „The Next Big Thing“? Oder glaubst du, es handelt sich nur um einen kurzfristigen Tech-Trend, um den es bald wieder ruhiger werden dürfte? Hast du möglicherweise selber Ideen für neue Anwendungsszenarien? Ich freue mich über Kritik und Anregungen jeglicher Art.

Literaturverzeichnis

[1] Swan, Melanie: Blockchain: Blueprint for a New Economy, 2015, O’Reilly Media Inc.

[2] Sixt, Elfriede: Bitcoins und andere dezentrale Transaktionssysteme: Blockchains als Basis einer Kryptoökonomie, Wiesbaden 2017, Springer Gabler, S.29ff.

[3] https://www.btc-echo.de/blockchain-kritik-technologie-ueberschaetzt/(aufgerufen am 09.05.2017)

Drescher, Daniel: A Non-Technical Introduction in 25 Steps, Frankfurt am Main 2017, Apress Verlag

http://www.monopol-magazin.de/Ascribe-digitale-Kunst-Copyright-Blockchain (aufgerufen am 05.05.2017)

http://www.geektime.com/2016/08/11/one-small-step-for-blockchain-one-giant-iot-leap-for-the-isle-of-man/ (aufgerufen am 05.05.2017)

http://coinwelt.de/2015/05/honduras-baut-das-grundbuch-auf-bitcoins-blockchain/ (aufgerufen am 05.05.2017)

http://www.sueddeutsche.de/digital/lieder-kaufen-im-internet-nach-bitcoin-blockchain-soll-musikindustrie-auf-den-kopf-stellen-1.2751548 (aufgerufen am 02.05.2017)

http://www.zweiblog.com/2016/06/7-aufregende-anwendungen-der-blockchain-technologie/ (aufgerufen am 09.05.2017)

http://myceliaformusic.org/2016/05/14/imogen-heap-decentralising-the-music-industry-with-blockchain/ (aufgerufen am 08.05.2017)

http://www.cebit.de/de/news/artikel/blockchain-die-gefahr-fuer-die-finanzindustrie.xhtml (aufgerufen am 08.05.2017)

http://www.capital.de/meinungen/blockchain-vom-hype-zur-ernuechterung.html (aufgerufen am 07.05.2017)

https://www.computerwoche.de/a/die-wichtigsten-begriffe-rund-um-blockchain,3330083 (aufgerufen am 03.05.2017)

Abbildung Beitragsbild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ABlockchain_Illustration.jpg

 

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