Profilerstellung: Wie werden unsere Daten gesammelt und wie kannst du dich schützen?

Im Internet werden von verschiedenen Webseiten tagtäglich private Informationen von uns, wie das Geburtsdatum, die Adresse oder die Kreditkartennummer abgefragt und gespeichert. Wir haben nach der Erhebung der Daten weder Einfluss darauf wo und wie lange sie gespeichert werden, noch erhalten wir Informationen darüber, wer Zugang zu den Daten hat.

Die Themen Internet, Datensicherheit und Persönlichkeitsrechte gewinnen immer mehr an Bedeutung in unserer heutigen Gesellschaft. Nach aufwändiger Suche findet man im Internet Informationen zu allem und jedem. Das geht meist schon mithilfe von Standard-Suchmaschinen, aber oft liefern nur spezielle Dienste erwartete Ergebnisse.

Die Bewegung im Netz macht uns zu einem gläsernen Menschen. Obwohl es den meisten Nutzern bewusst ist, sind wir von den Möglichkeiten der virtuellen Welt geblendet und verdrängen somit die unsichtbaren Gefahren, die sich auf unser Leben auswirken können.

Doch was sind die Gründe, weshalb wir die Daten Preis geben und was geschieht mit Ihnen?

1. Was sind Ziele der Profilerstellung?

Das Internet bietet eine Vielzahl von Kommunikationslösungen an, ohne die kaum ein Internetuser heutzutage auskommt. Dabei ist es notwendig ein Konto bzw. ein Profil anzulegen, um den Dienst in Anspruch nehmen zu können. Dabei kann der Nutzer seine Daten freiwillig Preis geben, bzw. verpflichtet sein, über sogenannte Pflichtfelder Daten anzugeben.

Der Nutzer kann unterschiedliche Arten von Zielen bei der eigenen Profilerstellung haben. Um einen Dienst, wie beispielsweise das Internetversandhaus Amazon oder den Emaildienst von Google in Anspruch nehmen zu können, muss der Nutzer mindestens die Pflichtfelder ausfüllen und seine Daten freigeben. Diese Pflichtfelder beinhalten personenbezogene Daten, wie beispielsweise den Name oder die Adresse des Nutzers. Sein Ziel dabei ist in erster Linie den Dienst nutzen zu können.

Ein weiteres Interesse des Nutzers kann darin liegen, von sich selbst ein vollständiges Profil zu erstellen, um es mit seinen Freunden oder Geschäftspartnern teilen zu können. Ein Beispiel hierfür ist das Social Network Facebook oder das Karriereportal Xing.

Das Ziel für den Anbieter besteht in erster Linie darin, die Daten die der Nutzer, also wir bereitstellen, zu sammeln und diese zu analysieren und zusammenzufassen. In den harmlosesten Fällen, kann das Ziel der Profilerstellung die Erstellung eines Accounts sein, um dem User Benutzerrechte zuzuweisen. Andernfalls kann das Interesse darin liegen, so viele Daten wie möglich zu sammeln, um die ausgewerteten oder gesammelten Daten an Dritte weiterzuleiten bzw. zu verkaufen.

Deshalb ist immer Vorsicht geboten, wenn ein Dienst kostenfrei angeboten wird, denn meist zahlen wir mit unseren persönlichen Daten. Aus besagtem Grund ist es stets besser, vor der Nutzung eines Dienstes, die Datenschutzbestimmungen zu lesen.

Unternehmen, wie Anbieter von Diensten haben wirtschaftliche Ziele in der Profilerstellung von Nutzern. Profile von Nutzern werden in diesem Fall durch die gewonnenen Daten von bestimmten und bestimmbaren Personen erstellt. Diese Profile lassen das Kaufverhalten und die Gewohnheiten einer Person erschließen. Diese Art von Profilerstellung kann auch als „Profiling“ verstanden werden. Darunter ist die Erstellung, Aktualisierung und Verwendung von bereits vorhandenen Profilen aus der Datensammlung, -analyse, -auswertung und -rückführung, zu verstehen.

2. Wie findet die Profilanalyse statt?

Web-Tracking und Data Mining

Wir hinterlassen bei jedem Surfvorgang im Internet Spuren. Dabei handelt es sich beispielsweise um Suchbegriffe oder Interessen, denen man im Internet nachgeht bzw. sich informiert. Diese werden mit Hilfe des Web-Tracking bzw. des Data Mining zusammengeführt.

Bei dieser Verfolgung geht es darum, Daten über den Nutzer zu sammeln, zu speichern und diese für verschiedene Zwecke zu verwerten. Hierbei werden ganze Profile über uns angelegt. Dies geschieht indem sogenannte Tracker in die Webseiten eingebaut werden, wodurch auch eine Verfolgung, ohne unser Wissen, über unterschiedliche Webseiten hinweg möglich ist und eine Historie der geladenen Webseiten entsteht.

Die Verfolgung geschieht oftmals in Echtzeit, d.h. in diesem Zusammenhang, dass eine Verfolgung von Nutzeraktivitäten im Web in dem Moment stattfindet, in dem Nutzer Webseiten abrufen. Des Weiteren kann dies über das Data Mining Verfahren geschehen.

Schemantische Darstellung WebtrackingPNG

Schematische Darstellung Web-Tracking

Beim Web-Tracking können grundsätzlich sehr umfangreiche Informationen zu Personen gesammelt werden, zu denen beispielsweise Daten wie Vor- und Nachname, Emailadresse, Alter, Geschlecht, Wohnort, Einkommen, Familienstand, Gesundheitszustand, Einkäufe, bevorzugte Unterhaltungsmedien und Filme sowie allgemeine Interessen gehören.

Dies zu verhindern ist schwer möglich. Auch wenn Cookies gelöscht werden, kann über die IP-Adresse herausgefunden werden, wer sich hinter dem Nutzer befindet. Auch mit Hilfe von sogenannten Anonymisierungstools wie Tor, kann die Verfolgung nicht vollständig unterbunden werden, da Websites oftmals durch den verwendeten Browser, die Browserversion, Bildschirmauflösung, Sprache, oder verwendete Add-Ons Rückschlüsse auf den User ziehen können.

Der Begriff Data Mining beschreibt das Untersuchen, von bereits vorhandenen Daten nach bestimmten Mustern. Ziel ist es dabei, bisher noch nicht bekannte Zusammenhänge der Daten zu erkennen und Rückschlüsse bzw. zukünftige Verhaltensmuster zu prognostizieren. Durch das Anwenden von Methoden und Algorithmen werden aus großen Datenmengen, kleinere und interessantere Daten herausgefiltert.

Auf Grundlage dieser bereinigten und nun konsistenten Daten können verschiedene Analysemethoden angewandt werden. Das Data Mining stellt jedoch keine Prozesskette dar, die einmalig durchlaufen wird, sondern ist als iterativer Prozess zu verstehen. Oftmals ändern sich Daten eines Nutzers bzw. sein Interessengebiet verschiebt sich über eine längere Zeitspanne.

Eine weitere Unterkategorie des Data Mining stellt das Web Mining dar. Hierbei wird zwischen drei Arten unterschieden:

  1. Das Web Content Mining beinhaltet das Ziel, den Inhalt von Webseiten zu analysieren, um das Suchen nach Informationen im Internet zu erleichtern.
  2. Das Web Structure Mining analysiert die Anordnung von Inhalten auf einer Internetseite, sowie die Verlinkung zwischen den einzelnen Internetseiten.
  3. Das Web Usage Mining beschäftigt sich mit dem Verhalten der User auf den Internetseiten. Hierbei wird versucht bestimmte Muster der Internetnutzer herauszufinden und diese in Klassen zu unterteilen.

Die Analyse bzw. Auswertung der Daten, die beim Data Mining anfallen, werden oftmals mit der Methode der Predictive Analytics weiterverarbeitet. Hierbei wird versucht, Rückschlüsse von den bisherigen Verhaltensmustern, auf zukünftige Muster des Nutzers zu ziehen, um beispielsweise sein zukünftiges Kaufverhalten vorherzusagen.

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Cross Industry Standard Process for Data Mining

3. Beispiel Google: Das weiß Google bereits über dich

Google speichert für jeden Nutzer die Daten, sobald wir mit unserem Google Konto eingeloggt sind. Hierzu zählen Suchanfragen, abgespielte Videos oder die GPS-Daten, die wir mit unserem Handy verwenden. Diese Ergebnisse kannst du in deinem Konto Abfragen und auf diese Weise herausfinden, was Google bisher über dich weiß.

Um dies durchzuführen sind einige kleine Schritte nötig, die in der folgenden Klickanleitung aufgezeigt werden:

  1. Bevor mit der Überprüfung begonnen werden kann, musst du dich mit deinem Google Konto anmelden.
    Anmeldung
  2. Auf der Startseite kann nun unten, „Meine Aktivitäten“ ausgewählt werden.meine aktivitäten auswählen
  3. Du erhältst nun eine Übersicht über die bisher getätigten Suchanfragen. Auf der linken Seite lässt sich nun „Andere Google-Aktivitäten“ auswählen.Google, Meine Aktivitäten
  4. Falls du mit deinem Handy bei Google anmeldet bist und die Einstellungen nicht geändert hast, kann es sein, dass ein vollständiges Bewegungsprofil mit deinen Daten erstellt wird. Um dies zu überprüfen, muss „Zeitachse aufrufen“ ausgewählt werden.

Google andere Aktivitäten

Die automatische Aufzeichnung des Profils kann in den Einstellungen geändert werden. Es gibt hier zudem noch eine ganz Reihe weiter Einstellungen, die die Überwachung und Erstellung eines Google Profils erschweren bzw. verhindern.

In den meisten Fällen werden Daten aus deinem Profil gespeichert und ggf. weiterverkauft. Wenn du dies verhindern möchtest, lies dir die Datenschutzbestimmungen des jeweiligen Anbieters genau durch und ändere die Datenschutzeinstellungen, um möglichst wenig von dir Preis zu geben.   

4. Fazit

Zusammenfassend ergibt sich, dass wir einer Profilerstellung  durch multinationale Unternehmen nicht entgehen können. Jeder, der im Internet unterwegs ist, gibt seine Interessen und Hobbies Preis, entweder freiwillig in Social Networks oder unfreiwillig durch die Rückverfolgung durch Unternehmen. Das Web-Tracking und Profiling führt zu einer neuen Art der Datensammlung und somit zu neuen Chancen und Möglichkeiten in unterschiedlichen Bereichen. Konzepte, die ursprünglich als ausreichend zum Schutz der Privatsphäre betrachtet wurden, reichen nicht mehr aus, da immer mehr Daten entstehen, gesammelt und miteinander verknüpft werden.

Es ist oft nicht bekannt und nachvollziehbar, wie personenbezogene Daten miteinander in Bezug gesetzt werden, um neue Erkenntnisse über die Person zu erlangen. Aus diesem Grund ist es ratsam, möglichst wenige Daten von sich Preis zu geben, und die Verknüpfung dieser Daten mit der eigenen Person zu erschweren.

Oftmals hilft es, durch kleine Änderungen der Einstellungen, die Profilerstellung und -analyse einzuschränken und sich selbst zu schützen.

Wie sind deine Erfahrungen?

Als ich gesehen habe, was Google bisher alles über mich wusste, war ich auf der einen Seite sehr positiv überrascht, da ich meinen gesamten Verlauf ansehen konnte, allerdings auf der anderen Seite schockiert, dass die Aufzeichnung so vollständig und komplett ohne mein Wissen geschieht.

Wie sind deine bisherigen Erfahren mit der wissentlichen oder unwissentlichen Erstellung von Profilen durch Unternehmen? Hast du bereits positive oder negative Überraschungen erlebt?

Literaturverzeichnis

Stern (2015): So bestimmen Sie, was Google über Sie weiß http://www.stern.de/tv/datenschutzeinstellungen–so-bestimmen-sie–was-google-ueber-sie-weiss-6512596.html, abgerufen am 03.05.2017

How to determine what questions to ask on your forms (2016) https://knowledge.hubspot.com/forms-user-guide-v2/how-to-determine-what-questions-to-ask-on-your-forms?/, abgerufen am 03.05.2017

Data Mining: https://de.wikipedia.org/wiki/Data-Mining, Abgerufen am 03.05.2017

Data Mining: http://www.enzyklopaedie-der-wirtschaftsinformatik.de/lexikon/daten-wissen/Business-Intelligence/Analytische-Informationssysteme–Methoden-der-/Data-Mining/index.html, abgerufen am 03.05.2017

Web-Tracking Report 2014: https://www.sit.fraunhofer.de/fileadmin/dokumente/studien_und_technical_reports/Web_Tracking_Report_2014.pdf abgerufen am 03.05.2017

Thomas A. Runkler: Data Mining, Methoden und Algorithmen intelligenter Datenanalyse

Logfile Analyse Oder Tagging? http://www.gradlinig.com/2011/07/tagging-oder-logfile-analyse/ abgerufen am 03.05.2017

https://www.heise.de/ct/ausgabe/2013-20-Von-der-Schwierigkeit-sich-unerkannt-im-Internet-zu-bewegen-2315028.html abgerufen am 03.05.2017

Wikipedia: Profiling. https://de.wikipedia.org/wiki/Profiling, abgerufen am 03.05.2017

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