Design Thinking – Innovation im Innovationsmanagement

Als ich den Begriff Design Thinking zum ersten Mal gehört bzw. gelesen habe, verband ich ihn nicht direkt mit Innovationsmanagement, geschweige mit der Informatik. Meine Gedanken gingen doch eher in die Richtung Design bzw. kreatives Arbeiten / Denken. Und ich denke so geht es auch euch, als ihr den Titel dieses Beitrags gelesen habt. Generell ist dies auch gar nicht so falsch, jedoch interagiert Design Thinking mit viel mehr Bereichen, als man zunächst meinen mag.
Mit diesem Artikel möchte ich euch Design Thinking gerne etwas näher bringen und euch erzählen, woher es kommt, was es kann und welche Varianten es aktuell gibt.

Woher kommt das Ganze?

Grundlegend ist der Begriff schon ziemlich lange bekannt. In den 1960er Jahre wurde er meist für die Arbeit von kleinen Teams speziell im Bereich des Designs verwendet. Eine bestimmte Methodik oder Herangehensweise gab es dabei noch keine. Diese kam erst in den 1990er Jahre hinzu. Auf einer Veranstaltung der Technischen Universität Delft hörte William Moggridge (Mitbegründer der IDEO) den Begriff erstmalig und führte ihn in seine Design- und Berateragentur ein. Hieraus entstand das Programm „School of Design Thinking“ des Hasso Plattner Institute of Design Thinking in Palo Alto sowie Potsdam. Ende der 1990er / Anfang 2000er wurde diese nun durch ein Programm gefüllte Methodik vermehrt von US amerikanischen Beratern sowie Unternehmen aufgegriffen und angewandt. Erste Berichte renommierter Zeitschriften erschienen und erläuterten die Methode des Design Thinkings als Ansatz der Designagentur IDEO.

Was kann es denn nun?

Allgemein gesagt ist Design Thinking eine Methodik bzw. Vorgehensweise zur Lösung besonderer Probleme oder zur Ideenfindung. Hier gibt das Programm eine grobe Vorgabe, wie und in welchen Schritten der Prozess durchlaufen wird, jedoch bleibt ein inhaltlicher Spielraum zur Entfaltung sowie freien Anpassung an die entsprechende Situation. Grundsätzlich ist Design Thinking ein sehr iterativer Prozess der zunächst auf der Beobachtung sowie deren Analyse und weiterhin auf der Erstellung von Prototypen und deren Testen aufbaut. Hierbei ist keine exakte Vorgabe der Reihenfolge gegeben, jedoch wird in den ersten Schritten das vorhandene Problem vorerst Verstanden, daraufhin werden Beobachtungen durchgeführt aus denen dann eine Sichtweise definiert wird. Die kann bspw. durch das Erstellen einer sogenannten Persona geschehen. In diesen ersten Schritten zeigt sich bereits die Besonderheit von Design Thinking. Es ist stark an der Person, am Kunden, am Problem orientiert und das ist nicht nur zu Beginn so. Nachdem die Sichtweise definiert wurde, welche sich natürlich zu jeder Zeit anpass
en lässt, startet die Phase der Ideenfindung sowie Entwicklung des Prototyps. Ist dies erreicht wird jener getestet, d.h. er wird mit der erstellten Sichtweise gegengeprüft und weiter sogar direkt an der Problemstellung getestet. Sollte sich nun zeigen, dass der Prototyp evtl. am eigentlichen Ziel vorbeigeht, sollte das Problem nochmals neu verstanden und Anpassungen an der Sichtweise vorgenommen werden.

Design Thinking - Prozess, eigene Darstellung

Abbildung: Design Thinking – Prozess, eigene Darstellung

Kurz gesagt, Design Thinking ist problemorientiert, wertorientiert. Es ist nicht statisch und muss strikt abgearbeitet werden. Es erlaubt viele verschiedene und eigene Interpretationen und ermöglicht somit die optimale Anpassung an das eigentliche Problem bzw. an die Problemlösung. Design Thinking muss in gewisser Art gelebt werden. Zur Durchführung sind spezielle Räume mit viel Raum zum Ausbereiten und Entfalten der Ideen empfehlenswert. Ebenso ist ein interdisziplinäres Team der perfekte Grundstein für ein erfolgreiches Design Thinking Projekt.

Welche Varianten gibt es?

Sicherlich gibt es viele, vielleicht auch unzählig viele Varianten zur Durchführung von Design Thinking, jedoch möchte ich abschließend gerne die aktuell drei Bekanntesten vorstellen:

  • Nach Tim Brown (Präsident der IDEO)
    • Sieht Design Thinking als Designmethode für generelle Probleme in der Wirtschaft sowie Gesellschaft.
    • Der Prozess besteht bei ihm lediglich aus drei Phasen:
      • Inspiration – Der zur Suche führende Umstand
      • Ideenfindung – Der Prozess der Erstellung, Weiterentwicklung und des Testens
      • Implementierung – Die Planung der Einführung
  • Nach Gavin Ambrose & Paul Harris (Britischer Grafik Designer und Redakteur)
    • Sehen Design Thinking als interdisziplinäre Methodik mit Schwerpunkt auf Grafik und Designprojekten
    • Teilen den Prozess in mehrere Bestandteile
      • Definition (Auftrag)
      • Recherche (Hintergrund)
      • Ideenfindung (Lösungen)
      • Prototyping (Ausarbeitung)
      • Auswahl (Begründung)
      • Umsetzung (Auslieferung)
      • Lernen (Feedback)
  • Nach Hasso Plattner, Christoph Meinel, Ulrich Weinberg (Hasso Plattner Institut of Design)
    • Sehen Design Thinking als multidisziplinäre Problemlösungsmethodik in allgemeinen Innovationsprozessen
    • Fordern eine starke Orientierung an einer geeigneten Team-Konstellation
      • Team-Mitglieder aus möglichst vielen Bereichen
    • Der Prozess besteht aus sechs Phasen, die ineinander greifen
      • Verstehen
      • Beobachten
      • Sichtweisen definieren
      • Ideen finden
      • Prototypen entwickeln
      • Testen

Fazit

Um wieder an den Anfang des Beitrags anzuknöpfen, grundlegend hat Design Thinking einzelne Ideen sowie den namensgebenden Bereich des Designs inne, jedoch ist dies nur ein Teil des Ganzen. Mit Hilfe dieser Methodik lassen sich Innovationen entwickeln, die nicht einfach mal so entstehen, sondern solche, die nah am Kunden entwickelt werden und somit genau das richtige Problem, das fehlende Glied ersetzten bzw. lösen. Was haltet ihr davon? Wollt ihr diese Methodik auch einmal ausprobieren?

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/IDEO
Kern, P. D. (Februar 2014). Interdisziplinäre Kreativität: Einführung ins Design Thinking. FH Südwestfalen.
Kern, P. D. (März 2014). Interdisziplinäre Kreativität: Prozessphasen im Design Thinking. FH Südwestfalen.
Beitragsbild: „Night Road“ von CC-BY-2.0

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4 Antworten zu “Design Thinking – Innovation im Innovationsmanagement

  1. Ich würde die letzten drei Elemente des Prozesses (schöne Darstellung ) versuchen gleichzeitig anzugehen, statt nacheinander. So lassen sich weitere Ressourcen sparen und das Projekt wird sich wahrscheinlich schneller realisieren lassen.

    http://www.dersozialeunternehmer.de

    • Vielen Dank für den Kommentar! Strikt gesehen ist nach vielen Modellen eine gleichzeitige Ausarbeitung mehrerer Schritte nicht vorgesehen, jedoch, wie auch in dem Beitrag erwähnt, bietet das Konzept viele Freiräume. Ist nun eine gleichzeitige Herangehen gewünscht, lässt sich dies durchführen, dennoch sollte daraus kein kostenoptimiertes Konzept werden. Das Ziel des Design Thinkings ist ein wertorientiertes Ergebnis zu erhalten.

  2. Ich halte es für sehr richtig, dass kreatives Arbeiten strukturiert angegangen wird. Deher ist das s.g. DesingThinking auf jedenfall ein interessantes „Framework“ das viele wichtige Schritte hin zu innovativen Ergebnissen zusammenfasst.

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