Wie man die Qualität von Geschäftsprozessmodellen optimiert

Jeder, der sich schon einmal mit der Erstellung eines Geschäftsprozessmodelles beschäftigt hat, stieß an einem Punkt auf die Frage „Wie kann ich die Qualität meines Modelles bewerten?“.

In der Mathematik ist 1 + 1 = 2. Hier ist es einfach zu sagen, ob ein Ergebnis richtig oder falsch ist. Dazwischen gibt es nichts.

Geschäftsprozessmodelle hingegen können zwar die Realität korrekt abbilden, doch garantiert diese Korrektheit auch ein gutes Modell?

Weißt Du, was die Kriterien für ein gutes Modell sind?

Im folgenden Blogeintrag möchte ich Dir einen Überblick über die
Qualitätskriterien von Geschäftsprozessmodellen geben.

Motivation für ein gutes Geschäftsprozessmodell

Da Geschäftsprozessmodelle die Grundlage für viele Tätigkeiten im Bereich der Wirtschaftsinformatik bilden, sollten sie auch einer Qualitätssicherung unterliegen. Die meisten Qualitätskriterien sind selten konkret überprüfbar. Somit gestaltet sich die Qualitätssicherung etwas schwierig. Ein gutes Modell sollte

  • übersichtlich
  • nachvollziehbar
  • verständlich
  • widerspruchsfrei
  • vollständig
  • korrekt

sein.
Manche dieser Kriterien sind eher subjektiver Natur, was eine automatisierte Überprüfung schwierig bis unmöglich macht. Doch wie kann ich nun mein Modell bewerten?

Qualitätsmerkmale und Möglichkeiten der Qualitätssicherung

Im Folgenden beziehe ich mich auf die BPMN-Notation, doch die Merkmale lassen sich auch auf andere Notationen übertragen.

Syntaktische Korrektheit

Ein BPMN-Modell muss den formal definierten BPMN Standards genügen. Das reicht aber in unseren Fall nicht aus.

Der BPMN Standard lässt Freiheitsgrade

Zum Beispiel können Sequenzflüsse implizit zusammengeführt werden. Dies ist der Lesbarkeit abträglich, was zu einem qualitativ schlechteren Modell führt.

Quelle : Eigene Darstellung

Quelle : Eigene Darstellung

Hieraus ergibt sich die Forderung, das eine Aktivität jeweils nur einen ein- und ausgehenden Sequenzfluss besitzen darf.

Quelle : Eigene Darstellung

Quelle : Eigene Darstellung

Dies ist als Qualitätssicherungsmaßnahme zusätzlich zur syntaktischen Korrektheit zu prüfen.

Semantische Korrektheit

Ein Modell ist semantisch korrekt, wenn es die Realität mit Bezug auf den Zweck des Modelles korrekt darstellt.

Der Zweck bestimmt hierbei den Abstraktionsgrad des
Modelles. Die semantische Korrektheit lässt sich mit einfachen Mitteln nicht ohne weiteres überprüfen.
Hier bieten sich gemeinsame Reviews, insofern man im Team arbeitet, als Qualitätssicherungswerkzeug an. Des Weiteren können Stakeholder wie z.B. Subject Matter Experts zu einem Review hinzugezogen werden.
Ein weiteres Kriterium zur Beurteilung der semantischen Korrektheit ist der durchgängige Gebrauch eines Vokabulars zur Benennung und Beschreibung von Modellelementen.
Dieses Vokabular sollte eindeutig und aussagekräftig gewählt werden. Falls das Geschäftsmodell im Rahmen eines Projektes erstellt wird, bietet es sich an eine Konvention zur Benennung festzulegen und zu dokumentieren.
Als Qualitätssicherungsmaßnahme solltest Du deren Einhaltung überprüfen.

Einhaltung von Layout Regeln

Die Lesbarkeit eines BPMN-Dokuments ist ein zentrales Qualitätskriterium. Es trägt
maßgeblich zur Verständlichkeit des Modelles bei. Durch die Einhaltung von Layout-Regeln kann die Lesbarkeit gesteigert werden. Zu den Layout-Regeln kann z.B. die maximale Diagrammgröße oder das einheitliche Abknicken von Kanten zählen. Gerade wenn Du in einem Projekt mit anderen zusammen arbeitest ist es sinnvoll, Layout-Regeln festzulegen und einzuhalten. Dadurch entsteht ein einheitliches Aussehen der Dokumente, was der Lesbarkeit ungemein zuträgt.

Vollständigkeit

Ein Modell ist vollständig, wenn es alle Elemente und Sichten auf den zu betrachtenden Gegenstand beinhaltet.

Dies ist aber in der Praxis nicht immer nötig. Modelle müssen nur die Elemente
und Sichten enthalten, welche wir konkret benötigen, um unser Modell verwenden zu können. Die Modelle müssen also nur im Sinne des gewünschten Zwecks vollständig sein. Für den Zweck nicht relevante Elemente können weggelassen werden.

Redundanzfreiheit

Redundante Definition von Modellelementen führt zu inkonsistenten und widersprüchlichen
Modellen.

Um Redundanz zu vermeiden bietet sich die Wiederverwendung
von sich wiederholenden Aktivitäten an. Dies wird konkret über die Verwendung von
Subprozessen an entsprechenden Stellen umgesetzt.

Übersichtlichkeit

Ein einfaches Modell sollte übersichtlich und schnell erfassbar sein. Die meist verwendeten Vorgaben, dass das Modell auf eine bestimmte Seitengröße passen muss oder nur eine bestimmte Anzahl von Elementen enthalten darf, sind für die meisten Anwendungen von Geschäftsprozessmodellen ungeeignet.
Eine geeignete Methode zur Verbesserung der Übersichtlichkeit ist eine geschickte Wahl des Abstraktionsniveaus.
Dies könnte zum Beispiel bedeuten, dass man zur Modellierung eines Geschäftsprozesses ein zweistufiges Konzept nutzt.
Dieses setzt sich aus der Management-Ebene, welche den Gesamtprozess abbildet,
und der Bearbeiter-Ebene, welche einzelne Teilschritte detaillierter modelliert, zusammen.
Diese Ebenen sind miteinander verbunden und stellen eine Prozess-Dekomposition dar.

Fazit

Man kann die Qualität von Geschäftsprozessmodellen nicht an direkt messbaren Größen ausmachen. Trotzdem ist es nicht schwierig gute Modelle zu erstellen, wenn man sich an die im Blogeintrag vorgestellten Regeln hält und sich bei der Erstellung des Modelles zwei Fragen im Hinterkopf behält:
Für WEN ist das Modell und WAS soll damit gemacht werden.

Welche Erfahrungen hast du mit der Modellierung von Geschäftsprozessen? Waren meine Tipps für Dich hilfreich?
Ich freue mich auf Deine Kommentare.

Quellen

Gute Modelle – Wie die Qualität von Unternehmens-modellen definiert und gemessen werden kann

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