Open Innovation – Offen für neue Ideen

Innovationen sollen in der heutigen Zeit nicht mehr nur von der eigenen Firma kommen sondern auch von externen Quellen einfließen. Eigene Ideen und Erfindungen werden geteilt, um neue Märkte zu erschaffen. So oder so ähnlich hatte Henry Chestbrough gedacht, als er 2003 „Open Innovation: The New Imperative For Creating and Profiting from Technology“ veröffentlichte. Das Buch, welches als Manifest der Open Innovation Bewegung gilt, handelt über Praktiken des ungehinderten Innovationsaustausches, die schon seit den 30er Jahren verwendet werden. Höchste Zeit einen Blog-Eintrag darüber zu schreiben!

Innovation? Invention?

Bevor wir einen tieferen Einblick in das Konzept von Open Innovation (OI) werfen, müssen wir uns erst einmal klar werden, was Innovation eigentlich ist und wie es sich von Invention (Erfindung) mit dem es oftmals vertauscht oder gleichgesetzt wird, unterscheidet.
Erfindungen sind Produkte oder Prozesse, die neu geschaffen werden bzw. die vorher nicht existiert haben. Innovation im Gegenzug ist das Erweitern oder Verbessern einer bestehenden Erfindung, das Vermarkten und Kommerzialisieren eines Produktes oder eines Prozesses.
Zusammenfassend kann man sagen, dass das Erfinden eine Neuschaffung ist, während Innovation das Potential dieser Erfindung entfesselt.

Paradebeispiel: Graphische Benutzeroberfläche

Eine graphische Benutzeroberfläche ist heutzutage Standard jedes Operating Systems. Das war allerdings nicht immer so, erst 1972 wurde von Xerox der erste Computer mit grafischer Oberfläche entwickelt, eine bahnbrechende Erfindung, die allerdings sehr teuren Firmencomputern vorbehalten war und hatte daher nur geringe Verbreitung erreichte. Apple sah das Potential, das in einem solchen Interface steckt und lieferte 1984 den Apple Lisa und den Macintosh 128k damit aus. Die Innovation aus graphischen Interface und günstigem Preis verhalf Apple Millionen zu verdienen und prägt bis heute noch wie wir mit Computern interagieren.

graphische oberflaeche

Abbildung 1: Vater und Sohn: Xerox PARC (l. ,1972) und Apple System 1 (r., 1984) Quelle: wikimedia foundation [1] [2]

Aus diesem Beispiel wird klar was der Unterschied zwischen Erfinder/Erfindung (Xerox) und Innovator/Innovation (Apple) ist. Die Erfindung eines Produktes reicht nicht aus um auch innovativ zu sein und Innovation kann nicht ohne Erfindung entstehen.

Closed & Open Innovation

Um Open Innovation besser zu verstehen widmen wir uns zuerst der intuitiveren Variante des Innovations Managements: Closed bzw. geschlossene Innovation (CI). Das Prinzip ist einfach: Firmen besitzen ihre eigene Forschungsabteilung und Forschungseinrichtungen um gezielt Produkte und Konzepte zu entdecken. Diesen Forschungen liegen Ideen zugrunde, welche aus dem bestehenden Geschäftsmodell und Zielmarkt abgeleitet werden. Diese Forschungsergebnisse werden dann im „Trichter der Entwicklung“ gefiltert und entfalten sich zu fertigen Produkten für den angezielten Markt (Abbildung 2).

Open_Innovation

Abbildung 2: Open Innovation: Mehr als nur Resteverwertung

Der Grund für diesen „traditionellen“ Ansatz ist klar: Die Firma will sich einen Technologievorsprung sichern, indem sie konkurrierende Firmen von Neuentwicklungen ausschließt. Ein weiterer Vorteil ist, dass man seine Innovation sehr gut steuern kann, d.h. zielgerichtetes Arbeiten ermöglicht. Mehr Kontrolle, weniger Sorgen; zumindest denkt man das.

„Open innovation is the use of purposive inflows and outflows of knowledge to accelerate internal innovation, and expand the markets for external use of innovation, respectively.” – Henry Chesbrough

Closed_innovation

Abbildung 3: Closed Innovation: Von der eigenen Technologiebasis zum Zielmarkt; survival of the fittest

Open Innovation verfolgt – wie der Name schon vermuten lässt – einen offeneren Ansatz des Innovationsmanagements. Innovationen werden nicht mehr als eine Ware gesehen die nur im Geheimen von der eigenen Firma entwickelt wird, sondern fließen aus allen Bereichen der Industrie mit ein (Abbildung 2).

OI liegen 3 Annahmen zugrunde:

  • gute Ideen gibt es überall
  • Entdeckung/Erfindung ist kein Garant für kommerziellen Erfolg
  • gutes Businessmodell > gute Technologie

Anhand dieser Anforderung soll man seine Innovationsstrategie überdenken. OI bedeutet nicht die Öffnung der Research and Development (R&D) oder, dass z.B. Programmcode als Open Source angeboten werden muss. Es bedeutet ein Innovationsmanagement im Einbezug fremder Technologiebasen zur Beschleunigung und Inspiration der eigenen Entwicklung und der Erschließung neuer Geschäftsfelder.

Innovationen können bei OI von innerhalb der eigenen Firma kommen, z.B. aus einer anderen Abteilung oder von alten, nicht mehr verwendeten Patenten. Sie können auch von außerhalb durch Joint Ventures mit anderen Firmen, globale Trends, Lizenzierung fremder Technologie oder Forschungsverträgen mit Bildungseinrichtungen einfließen.
Durch diesen fachübergreifenden Ansatz an das Innovationsmanagement können neue Märkte für die eine Firma erschlossen werden. Es ist möglich, nützliche Produkte und IPs, für die man selbst keine Verwendung findet zur Lizenzierung anzubieten oder sogar kostenlos bereitzustellen.

Durch OI entsteht eine Reihe von Vorteilen:

  • R&D wesentlich kostengünstiger und schneller
  • Stärkerer Fokus auf Geschäftsmodell
  • Verminderung von Risiken durch Partner mit ähnlichen Zielen
  • Erschließung neuer Märkte und Absatzmöglichkeiten

Abschließend lässt sich sagen, dass OI schon jetzt – zu Recht – starke Verwendung in der Wirtschaft findet. Offene Standards und der konstante Innovationsdruck zwingt Firmen heutzutage immer mehr miteinander zu arbeiten und zu forschen. Nicht zuletzt profitieren Start-Ups von dem Informationsaustausch und werden von den resultierenden Ersparnissen erst ermöglicht. Open Innovation ist ein Modell für die Zukunft.

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Eine Antwort zu “Open Innovation – Offen für neue Ideen

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