PowToon – Der neue Standard für Animationen?

powtoon_homepage

Wer kennt das nicht, man sitzt in einem Vortrag, das verwendete Medium ist mal wieder PowerPoint und man hat bereits nach der zweiten Folie abgeschaltet. Sei es auf Grund zu vieler Informationen oder einfach wegen der Tristesse des Folienaufbaus. Dieses Gefühl hatten wohl auch die zwei Gründer der PowToon Limited, Ilya Spitalnik und Daniel Zaturansky, zu oft, weshalb sie auf die Idee kamen eine webbasierte Software zu entwickeln, mit der man ansprechende und animierte Videos ganz einfach selbst erstellen kann. Das Ganze nannten sie kurzum PowToon.

Im Folgenden möchten wir Euch gerne die Firma bzw. die Entstehung und das Geschäftsmodell ein wenig näher bringen. Ilya Spitalnik und Daniel Zaturansky gründeten die PowToon Ltd. mit Hauptsitz in London im Dezember 2011 mit Hilfe einer finanziellen Unterstützung von 180.000 US Dollar. Nach ersten Entwicklungen erschien im August 2012 die Beta Version, die rein für Abonnenten zugänglich war. Nachdem die Firma im Dezember 2012 weitere 600.000 US Dollar als Investment erhalten hatte, wurde der Zugang zur PowToon Beta im Februar 2013 um einen kostenfreien Zugang erweitert.

PowToons Geschäftsmodell

PowToon bietet zwei grundlegende Produkte als Online-Werkzeuge an:

  • PowToon Studio zur Erstellung von animierten Präsentationen
  • PowToon Slides zur Erstellung von Slideshows

Die Erstellung von professionellen Präsentationen ist für Unternehmen meist äußerst kostenintensiv. PowToon bietet hingegen eine einfache und günstige Alternative, was das Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens ist. Das Angebot an verschiedensten Produkt-Bundles richtet sich speziell an Kundensegmente wie Unternehmen, Freelancer und den Bildungsbereich. In Form eines Abonnements können Kunden den Leistungsumfang (und somit den Preis) des Produkts gemäß ihren Anforderungen auswählen. Zum eingeschränkten Leistungsumfang zählen unter anderem Funktionalität wie ein Downloadfunktion, die Rechte an den Präsentationen und Support. Das Produkt ist ausschließlich online als SaaS verfügbar. Potenzielle Kunden können sich im Vorfeld duFrch ein kostenloses Bundle vom Produkt überzeugen. Darüber hinaus werden mehrere Tutorials und regelmäßige Live-Webinare angeboten. Auf Kundenbeziehungen legt PowToon sehr viel Wert und bieten einen rundum Support für die bezahlten Produkt-Bundles. Das Unternehmen ist sehr aktiv in den sozialen Netzwerken und führt zudem einen eigenen Blog und einen Youtube-Channel.

Unter den Partnerfirmen von PowToon befinden sich Hosting-Unternehmen, sowohl für Infrastruktur als auch für mediale Inhalte. PowToon arbeitet ebenfalls eng mit Bezahldiensten wie PayPal oder auch Kreditkarten-Unternehmen zusammen, um zum einen reibungslose Zahlungsabwicklung garantieren. Dies hat auch den Vorteil, dass das Unternehmen die Ressourcen für diese Dienste nicht bereitstellen muss.

Betrachtet werden nun die sogenannten „Key Activities“, also die essentiell Notwendigen Tätigkeiten um das Geschäft am Laufen zu halten. Hierzu zählen im Hinblick auf die „Value Propositions“ die Bereitstellung des Services für Video- und Präsentationserstellung, die Verwaltung und Weiterentwicklung der Software und die Vermarktung des Produktes. Im Bereich „Customer Relations“ beinhaltet die klassische Kundenbetreuung, die Akquise von Neukunden und Kampagnen zur Absatzoptimierung und Kundenbindung. Ebenfalls wichtig sind Marktanalysen, um sich optimal dem Markt anpassen zu können.

Damit der Geschäftsbetrieb reibungslos abläuft, benötigt PowToon nicht nur Schlüsselressourcen in Form von Mitarbeitern, sondern auch die IT-Infrastruktur sowie eine Website und die Anbindung an die Bezahldienste.

Durch viel Outsourcing wie im Bereich IT-Infrastruktur besteht die Kostenstruktur hauptsächlich aus den Personalkosten. Für Support, Entwicklung oder auch Tutorials und Webinare sind qualifizierte Mitarbeiter gefragt, welche mit einem großen Kostenanteil zu Buche schlagen.

Business Model Canvas PowToon

Business Model Canvas PowToon (Vorlage https://strategyzer.com/canvas)

Muster in PowToons Geschäftsmodell

In Geschäftsmodellen können, trotz vieler Unterschiede, auch immer Gemeinsamkeiten gefunden werden. Haben viele Geschäftsmodelle ähnliche oder gleiche Eigenschaften, dann kann das als Muster bezeichnet werden. Osterwalder und Pigneur beschreiben in ihrem Buch Business Model Generation fünf verschiedene solcher Muster. Nun ist die interessante Frage: Ist im Geschäftsmodell von PowToon auch ein Muster erkennbar? Und wenn ja, welches?

Bereits nach einer kurzen Analyse der Preismodelle von PowToon ist klar, dass es sich um ein FREE-Geschäftsmodel handelt, genauer gesagt um die Form „freemium“. PowToon bietet seinen Dienst als Basisversion kostenlos für jeden an. Für den Premiumdienst mit erweiterten Funktionen, wie z. B. Downloadfunktion und größerer Auswahl von Themes und Hintergrundmusik wird man zur Kasse gebeten. Daneben betreibt PowToon den „PowToon Marketplace“, in dem geübte PowToonisten ihre Dienste für Interessierte anbieten. Es handelt sich dabei um das Muster der Mulitsided Plattforms, da PowToon so zwei sonst getrennte Gruppen von Kunden zusammenbringt. Die Plattform stellt dabei nicht selbst das Kernprodukt dar (wie bei anderen Plattformanbietern, z. B. eBay), sondern dient nur zu dessen Unterstützung.

Annahmen

Da PowToon keine konkreten Informationen über ihr Geschäftsmodell öffentlich macht, haben wir uns mit Annahmen beholfen, die hauptsächlich die Partner, die Kosten- und Infrastruktur von PowToon betreffen. Zudem waren leider keine Angaben zum Umsatz oder zu den internen Kosten verfügbar, wodurch wir diese Schätzen mussten. Schleierhaft war uns ebenfalls die Form und der Inahlt des Enterprise Pakets. Genauere Informationen bekommt man nur bei direkter Kontaktaufnahme mit PowToon, was uns zeitlich leider nicht möglich war.

Ausbau des Geschäftsmodells

Falls PowToon weiter wächst könnten sie in Betracht ziehen nach dem Unbundling Business Model Muster zusätzlich das Kundenbeziehung -und Produktinnovationsgeschäft zu trennen. Eine weitere Möglichkeit des Ausbaus wäre eine On- Premise Lösung anzubieten. Für die meisten Unternehmen ist es kritisch, interne Daten bei einer Fremdfirma zu hosten. Zusätzlich könnte PowToon eine Desktopanwendung zur Erstellung der Animationen anbieten, wodurch der Nutzer dann nicht mehr von der Online-Bearbeitung im Browser abhängig wäre. Zudem könnte eine Funktion zur Kollaboration eine sinnvolle Ergänzung sein. Somit könnten mehrere User an einem Video basteln und sich über ihre Arbeitserleichterung freuen.

Fazit

An sich ist PowToon durch ihre Produkt-Bundles für jeden potenziellen Kunden gut aufgestellt, und sie halten, was sie versprechen. Langweilige Präsentationen können mit Hilfe von PowToon interessanter gestaltet werden. Powtoon fordert für vergleichsweise wenig Funktionalität etwas überhöhte Preise und nutzt zudem die aussterbende Technologie Adobe Flash. Im Moment scheint das Unternehmen zwar einen stabilen Stand am Markt zu haben, was sich in Zukunft jedoch ändern kann, falls Nutzer das Interesse an PowToon verlieren.

Hiermit fordern wir euch also alle auf: Schließt euch dem Kampf gegen langweilige Präsentationen an und verwendet PowToon!

Über die Autoren

Dieser Blogeintrag und die dahinter stehende Recherche war eine Gruppenarbeit. Beteiligt waren Mai Chau Ngyuen, Yannic Soethoff, Michael Ehrlich, Patrick Reich und Maximilian Nährlich. Wir alle studieren Unternehmens- und Wirtschaftsinformatik an der HS Mannheim. Alle Interessierten finden unsere vollständige Analyse des Geschäftsmodells von PowToon hier:

Nützliche Links

PowToon

PowToon Blog

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Eine Antwort zu “PowToon – Der neue Standard für Animationen?

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